Die Bedingungen sind noch nicht geklärt, ja, noch hat Spanien nicht einmal mehr als eine Absichtserklärung formuliert. Doch eine Zahl beflügelt bereits die Phantasie: Bis zu 100 Milliarden Euro soll Spanien aus den Rettungsfonds EFSF oder ESM zur Rettung seiner angeschlagenen Banken bekommen. Die Summe übersteigt die Schätzung des Bedarfs von 37 Milliarden Euro, die der Internationale Währungsfonds (IWF) am Freitag bekannt gegeben hatte, um mehr als das Doppelte.

Auch Emilio Botín, Chef der spanischen Großbank Santander, hatte sich vor wenigen Tagen auf 40 Milliarden Euro festgelegt. "Mehr braucht es nicht", war er sich sicher.

Warum dann also 100 Milliarden Euro? Weil der IWF einen Faktor von 1,5 bis 2 zugrunde gelegt hat, "um die Märkte zu beruhigen". Damit wäre man bei 60 bis 80 Milliarden Euro. Die Beruhigung tut offenbar not, weil noch immer nicht klar ist, welche versteckten Risiken womöglich in den Büchern der spanischen Banken schlummern – und wie viele der Institute am Ende tatsächlich in Not geraten könnten. "Das hängt sehr stark davon ab, mit welchen Werten zum Beispiel die Immobilien in den Büchern stehen, die die Banken von säumigen Schuldnern konfisziert haben", sagt Francisco López Berrocal, Direktor desLehrstuhls für Cash Management an der Madrider IE Business School.

 

Suche nach Risiken in den Bankbilanzen

Schon die viertgrößte Bank Bankia hatte unlängst ihren Geschäftsbericht für 2011 revidieren müssen und einen ursprünglich ausgewiesenen Gewinn in einen Milliardenverlust umdeklariert. Das hatte die Ablösung ihres Chefs Rodrigo Rato – einst spanischer Finanzminister und IWF-Chef – zur Folge sowie die Teilverstaatlichung des Instituts. Anschließend bat die neue Führung um weitere 19 Milliarden Euro Hilfe.

"Bankia ist keine Anekdote, sie ist das Spiegelbild des gesamten spanischen Bankensystems", warnte damals auch Javier Flores von der Asinver Investment Group, einer Vereinigung institutioneller Investoren in Madrid.

Nach der dreistündigen Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister vom Samstag äußerten zudem mehrere Vertreter der Bankenbranche ihre Skepsis über die Regierungsannahme, dass neben Bankia lediglich noch die ehemaligen Sparkassen CatalunyaCaixa und Novagalicia, die Banco de Valencia und vielleicht noch ein weiteres Institut der staatlichen Hilfe bedürften. In der Branche weiß man nur zu gut, dass die Berater und Prüfer, die derzeit die Bücher der Finanzinstitute unter die Lupe nehmen, die Hypothekendarlehen ebenso wie die Kredite an Unternehmen überprüfen und höhere Rückstellungen fordern werden.

Das könnte dazu führen, dass weitere Banken unter Umständen enorme Verluste ausweisen müssen. Der IWF, so kritisieren sie, habe zudem mit veralteten Zahlen gearbeitet und die zwischen Januar und Juni getätigten Rückstellungen und Kapitalzuflüsse nicht berücksichtigt.Da ist also noch eine Menge Spielraum für die Phantasie, und ob sich die Märkte beruhigen lassen, wird sich am Montagmorgen zeigen.