Im Ringen um ein Ende der Bankenkrise in Spanien gibt es Anzeichen für einen europäischen Kompromiss. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird derzeit darüber verhandelt, ob Geld aus dem Euro-Schutzschirm EFSF direkt an den spanischen Bankenrettungsfonds fließen könnte.

Im Gegenzug müsste die Regierung in Madrid zusagen, die Probleme im Finanzsektor zu beseitigen – notfalls durch weitere Fusionen oder die Schließung einzelner Banken. Anders als Griechenland müsste die spanische Regierung aber keine Auflagen zur Haushaltssanierung und zur Reform der Wirtschaft hinnehmen.

Eine solche Lösung, die schon mehrfach im Gespräch war, hätte dem Bericht zufolge zwei Vorteile. Zum einen würde anerkannt, dass die Krisen in Spanien und Griechenland gänzlich unterschiedlicher Natur sind. Zum anderen hätten sich Deutschland und eine Reihe weiterer Staaten mit der Position durchgesetzt, dass europäische Hilfsgelder auch in Zukunft nur an staatliche Stellen und nie an private Kreditinstitute ausgezahlt werden dürfen.

Laut Süddeutscher Zeitung wird derzeit aber noch geprüft, ob eine Überweisung von Mitteln an den spanischen Bankenrettungsfonds rechtlich zulässig ist. Die spanische Regierung stützt den durch verlustreiche Immobilien- und Kreditgeschäfte leidenden Bankensektor derzeit mit Milliardenbeträgen, um dessen Zusammenbruch zu verhindern.

Kauder lehnt Plan ab

Bei der Union im Bundestag stieß der Plan auf Ablehnung. "Diese Möglichkeit sehe ich nicht", sagte Fraktionschef Volker Kauder in der ARD . Nach den derzeit geltenden Regeln des Rettungsschirms EFSF gebe es nur die Möglichkeit, dass ein Land einen Hilfsantrag stellt. Stattdessen sollte sich nach Ansicht Kauders die spanische Regierung Geld beim europäischen Rettungsschirm beschaffen.

Ähnliches forderte der Vorsitzende der "Wirtschaftsweisen", Wolfgang Franz , am Dienstag in den Tagessthemen der ARD. Spanien müsse rasch handeln, um seine maroden Banken zu stützen. Dafür sollte die Regierung in Madrid Kapital beim Euro-Rettungsschirm besorgen.

Spanien hat Probleme bei der Kreditbeschaffung

Bisher will Spanien keine mit zahlreichen Auflagen verbundenen Darlehen aus dem EFSF beantragen. Wegen der lahmenden Wirtschaft gilt das Land allerdings als Kandidat für europäische Hilfen.

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Am Dienstag hatte Spaniens Regierung erstmals offen Probleme bei der Beschaffung von Krediten eingeräumt. Der Markt sei zu den derzeitigen Finanzierungskosten de facto für Spanien nicht mehr zugänglich, hatte Finanzminister Cristobal Montoro gesagt.

Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach sich zudem erstmals öffentlich für eine Einführung von Euro-Bonds aus. Er hatte sich in dieser Frage bis dahin öffentlich nicht eindeutig festgelegt gehabt, ob Euro-Staaten gemeinsam für Darlehen an Staaten haften sollen. Spanien wollte sich im Zwist zwischen den Regierungen in Berlin und Paris offenbar bisher sich nicht klar auf die Seite der Franzosen stellen. Frankreichs Staatspräsident François Hollande tritt für eine möglichst rasche Einführung von Euro-Bonds ein, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dagegen.