Der spanische Bankensektor benötigt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) einen Krisenpuffer von mindestens 40 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis eines vorab in Teilen veröffentlichten Stresstests über die Stabilität des spanischen Finanzsystems. Das frische Kapital würde gebraucht, wenn die negativen Konjunkturvorhersagen für das Euroland eintreten würden. Der tatsächliche Kapitalbedarf könnte wegen möglicher Kosten für Restrukturierungen und Kreditausfälle doppelt so hoch ausfallen, sagte eine IWF-Mitarbeiterin in einer Telefonkonferenz.

Der Weltwährungsfonds schätzt, dass der Bankensektor des Landes gegen eine weitere Verschlechterung der spanischen Konjunktur gewappnet sei. Die größten spanischen Institute hätten eine ausreichende Kapitaldecke. Manche Segmente und bestimmte Institute seien aber anfällig. Deshalb werde der zusätzliche Finanzpuffer benötigt, um die von Notenbankern ausgearbeiteten schärferen Eigenkapitalregeln des Basel III-Abkommens einhalten zu können. Zudem müssten zum Schutz des Finanzsystems Reformen voll umgesetzt und ein glaubhafter Rückhalt aufgebaut werden.

Die Finanzminister der Eurogruppe werden am Nachmittag über die Bankenkrise in Spanien beraten. Offen ist, ob dabei bereits ein offizieller Hilfsantrag aus Madrid vorgelegt wird. Erwartet wird, dass die Euro-Finanzminister aber zumindest ein starkes politisches Signal geben, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Experten sind sich uneins

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte indessen davor, Spanien mithilfe des Rettungsschirms EFSF beizustehen. In einem am Samstag veröffentlichten Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Bofinger: "Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen." Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. "Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren."

Bofinger plädierte für direkte Hilfe an die Banken. "Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers", sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euro-Raums in eine Schieflage bringen. "Wahrscheinlich würden zunächst französische Banken ins Schlingern kommen und damit auch deutsche Institute."

Schäuble setzt auf Spaniens Autonomie

 Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat der spanischen Regierung dagegen empfohlen, notfalls Hilfe beim Euro-Rettungsschirm zu beantragen. Zugleich warnte er die Regierung in Madrid in der Zeitung Welt am Sonntag davor, aus Furcht vor Auflagen den Hilfsantrag nicht zu stellen und auf ein Eingreifen der Notenbank zu hoffen. "Auf das Einspringen der Notenbank zu hoffen, damit keine Auflagen erfüllt werden müssen, ist der falsche Weg", sagte Weidmann.

  Schäuble: "Spanien entscheidet selbst"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte zu den Ruhr Nachrichten , die Entscheidung Hilfe aus EFSF-Mitteln zu beantragen, liege bei Spanien. "Es liegt an Spanien zu entscheiden, was richtig ist." Das staatliche Defizit sei zwar geringer als in Deutschland, allerdings hätten die spanischen Banken erheblichen Abschreibungsbedarf durch das Ende des Immobilienbooms.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) ermunterte die spanische Regierung, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. "Wenn Spanien bei der Bankenstabilisierung Hilfe benötigt, sollte es diese zügig bei der EFSF beantragen – das Instrumentarium dazu ist da", sagte der Vizekanzler der Rheinischen Post. "Die Reformanstrengungen der spanischen Regierung sind beachtlich", sagte Rösler. Allerdings liege es jetzt an Spanien, das Vertrauen in die Stabilität seiner Banken zu stärken. "Spanien muss die Kosten für die Rekapitalisierung seiner Banken transparent machen."

Der SPD-Politiker Peer Steinbrück plädierte ebenfalls dafür, dass Spanien den Rettungsschirm der EU in Anspruch nimmt. Mit den Finanzmitteln solle das Land dann "seinen Bankensektor restrukturieren", sagte Steinbrück dem Magazin Focus . Die Forderung der spanischen Regierung nach einer direkten Hilfszahlung aus dem Rettungsfonds ESM an ihren notleidenden Finanzsektor lehnte der frühere Bundesfinanzminister ab.

Spanien könnte schon am Samstag Hilfe beantragen

Der IWF-Report sollte insgesamt erst am Montag vorgestellt werden. Bereits am Wochenende könnte die Entscheidung fallen, ob Spanien Hilfe beim Euro-Rettungsfonds EFSF anfordert, um einen Bankenkollaps abzuwenden. Der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio hatte am Freitag im portugiesischen Rundfunk gesagt, es werde erwartet, dass Spanien formell Hilfen für seine Banken beantrage. Auf die Frage, ob dies schon am Samstag passieren könne, hatte Constancio geantwortet: "Alles ist möglich." Bis zuletzt hieß es aus Madrid, vor einer Entscheidung müssten erst Berichte über den Zustand der spanischen Finanzhäuser vorliegen.

Spanien kämpft gegen eine massive Bankenkrise und steckt in der Rezession . Allein die Krisenbank Bankia will vom Staat für seine Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Die spanischen Banken sind wegen geplatzter Immobilienkredite unter Druck geraten und brauchen bis zu 100 Milliarden Euro Sanierungshilfen.