Die hohe Arbeitslosigkeit wird den USA nach Einschätzung der OECD noch eine Weile erhalten bleiben. Die Nachwehen der tiefen Rezession 2009 seien immer noch zu spüren, heißt es in einer Studie über die US-Ökonomie.

Besonders besorgt äußern sich die OECD-Experten darüber, dass immer mehr Arbeitslose immer länger nach einem neuen Job suchen müssen. Die Fachleute der Industriestaatenorganisation sprechen von einem für US-Verhältnisse extrem ungewöhnlichen "dramatischen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit".

Zwischen 2003 und 2007, also vor der Finanzkrise und der jüngsten Rezession, hätten Arbeitslose durchschnittlich neun Wochen gebraucht, um einen neuen Job zu finden. Anfang 2010 habe sich diese Zeitspanne auf fast 26 Wochen verlängert, um sich danach bei etwa 20 Wochen einzupendeln. Etwa 40 Prozent der Arbeitslosen sind demnach sogar länger als 27 Wochen auf Jobsuche.

Kaum Rückgang

Die OECD spricht von einem besorgniserregenden Trend, weil sich Langzeitarbeitslosigkeit gemäß Erfahrungen aus anderen OECD-Ländern strukturell verfestigen könne.

Obwohl die Industrie wieder Stellen schaffe , rechnet die OECD in den USA für 2012 mit einer durchschnittlich Arbeitslosenquote von etwas über acht Prozent. Für 2013 erwartet sie nur einen geringen Rückgang auf 7,6 Prozent.

Eine solch hohe Arbeitslosigkeit über einen so langen Zeitraum hinweg habe es zuletzt während der Großen Depression von 1929 gegeben, schreiben die Autoren der Studie.

Im Süden qualifiziert

Zur Lösung des Problems empfiehlt die OECD den Amerikanern, sich an Deutschland und der Schweiz zu orientieren, wo es eine "duale Ausbildung" gibt. Eine betriebliche Ausbildung mit begleitender Berufsschule und staatlich anerkannten Berufsabschlüssen bietet laut OECD große Vorteile: "Für viele Studenten könnte diese Praxisorientierung viel mehr bringen als Unterrichtsstoff ohne erkennbaren Bezug zu Dingen, von denen sie keine Ahnung haben oder die sie nicht interessieren."

Deutsche Firmen, die in den USA produzieren, haben die Idee des Dualen Systems bereits ins Land gebracht. So kooperieren Autokonzerne wie Volkswagen oder BMW mit den Schulen, um neue Mitarbeiter nach ihren Bedürfnissen auszubilden. Beide Konzerne haben große Werke im Süden der Vereinigten Staaten errichtet, wo es gar keine Autoindustrie gab. Entsprechend groß war die Notwendigkeit, Mitarbeiter zu qualifizieren.