EZB-Präsident Mario Draghi nährt die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Schuldenkrise. "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten", sagte Draghi auf einer Investorenkonferenz in London . "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen."

Sollten hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen von Krisenländern die Wirkung der Geldpolitik stören, "fällt das in unser Mandat". Anleger und Experten spekulieren darauf, dass die EZB nun wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft und so deren extrem hohe Zinskosten drückt.

An den europäischen Börsen stiegen die Aktienkurse nach den Äußerungen Draghis deutlich an, in Mailand und Madrid sogar um 4,5 und 4,9 Prozent. Besonders Bankaktien gewannen an Wert. Der Deutsche Aktienindex verzeichnete bei Handelsschluss ein Plus von 2,75 Prozent. Auch der Euro-Kurs stieg auf 1,2294 Dollar im Gegensatz zu 1,2153 Dollar am Vorabend.

"EZB kauft Krisenländern mehr Zeit"

"Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die EZB ihr Zögern und damit die Marktpanik beendet", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Wird sie wieder am Bondmarkt aktiv, dann kauft sie Krisenländern wie Spanien und Italien die Zeit, die sie für die Umsetzung ihrer Reformen brauchen." Das sehen andere Experten ähnlich. "Das ist wohl der Versuch, die Beschränkungen für den direkten Kauf von Staatsanleihen zu umgehen", sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Securities.

Der EZB ist eine direkte Staatsfinanzierung nach ihren Statuten verboten . Das tat sie aber bis Jahresanfang indirekt, indem sie Staatsanleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro am Markt erwarb und so die Kreditkosten der Krisenländer drückte.

Seit mehreren Wochen ruht das Kaufprogramm. Da die Zinsen von Italien und Spanien inzwischen auf Rekordhöhen gestiegen sind, wächst aber der Druck auf die EZB, wieder aktiv zu werden. Draghi dürfte bei einer Wiederaufnahme auf Widerstand aus Deutschland und anderen Kernländern stoßen. Nach den Worten des Chefs der niederländischen Zentralbank, Klaas Knot, befindet sich das Kaufprogramm "im Tiefschlaf und wird es auch bleiben".

Gefahr einer Kreditklemme in den Krisenstaaten

Draghis Vorstoß "legt die Vermutung nahe, dass er die deutschen Mitglieder im EZB-Rat entweder davon überzeugt hat, dass es Zeit ist für eine verbale Intervention oder dass er einen Showdown im Rat riskiert, der mehrheitlich hinter ihm steht", sagte Ökonom Riccardo Barbiere von Mizuho. Deutschland ist durch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen und Bundesbankpräsident Jens Weidmann in dem 23 Mitglieder zählenden Gremium vertreten.

Draghi dürfte die Kritiker mit dem Hinweis zu überzeugen versuchen, dass die Geldpolitik der EZB wegen der Schuldenkrise verpufft. Weder die Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,75 Prozent noch die enormen Kredite für die Banken haben die Angst an den Märkten, die Gefahr einer Kreditklemme in den Krisenstaaten und den Konjunkturabschwung verhindern können.

Ein Grund dafür ist, dass die Kurse von Staatsanleihen von Krisenstaaten abgerutscht sind und die Bilanzen vieler Banken weiter belasten. Diese halten sich deshalb mit der Kreditvergabe zurück. Mit dem Kauf dieser Papiere könnte die EZB zumindest für eine Ruhepause sorgen.