Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hat die Spekulationen europäischer Politiker über den Euro-Austritt seines Landes unverantwortlich genannt. "Ich sage es offiziell: Es untergräbt unsere nationalen Bemühungen", sagte er vor einem Parlamentsausschuss.

"Wir tun, was wir können, damit das Land wieder auf eigenen Beinen stehen kann, und sie tun alles, was in ihrer Macht steht, damit wir scheitern", sagte Samaras. Er wisse nicht, ob sie es "bewusst oder aus Dummheit" tun. "Ich weiß nur, dass sie unverantwortlich sind."

Samaras reagierte unter anderem auf ein Zitat von FDP-Chef Philipp Rösler . Der hatte am Sonntag in der ARD gesagt: "Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren." Zudem hatte Kanzlerin Angela Merkel deutlich gemacht , dass es keine weiteren Rettungspakete für Griechenland geben werde.

"Rösler drängt uns aus dem Euro raus"

In griechischen Medien war die Aussage Röslers ein viel diskutiertes Thema. Ein Kommentar im Rundfunk lautete: "Der Mann (Rösler) scheint sich nicht für Europa und auch nicht für Deutschland zu interessieren. Er kümmert sich nur um sein politisches Überleben in seiner ins Wanken geratenen Partei."

Die Boulevardzeitung Avriani schrieb: "Rösler drängt uns aus dem Euro raus". Die Athener Zeitungen Ethnos und Ta Nea kommentierten, die Aussagen stammten von jemandem, der nichts von Europa verstehe.

Samaras rechnet mit Konjunktureinbruch

Samaras rechnet mit einem dramatischen Konjunktureinbruch, von dem sich das Land erst in zwei Jahren erholen werde. Die Wirtschaft könnte 2012 um mehr als sieben Prozent schrumpfen. "Wir werden in diesem Jahr damit beginnen, die Rezession einzudämmen und Anfang 2014 werden wir eine Erholung erreichen."

Die wirtschaftliche Lage Griechenlands wird auch Thema bei einem Treffen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit Samaras in Athen sein. Das Treffen am Mittwoch sei schon länger vorbereitet worden, sagte ein Kommissionssprecher. Zum letzten Mal hatte Barroso die Regierung in Athen im Juni 2009 besucht, einige Monate bevor die Schuldenkrise ausbrach.

Troika beginnt neue Prüfung

Die EU bildet zusammen mit IWF und der europäischen Zentralbank EZB die Geldgeber-Troika Griechenlands . Experten der Troika beginnen am Dienstag eine neue Prüfung der Sparanstrengungen des Landes. Am Donnerstag werden sie den griechischen Finanzminister Giannis Stournaras treffen.

Die Regierung in Athen hat derzeit massive Schwierigkeiten, ihre Sparauflagen im Gegenzug für internationale Finanzhilfen umzusetzen. Der Abschlussbericht der Troika wird darüber entscheiden, ob das Land bis September eine weitere Milliardentranche aus dem Rettungspaket erhält. Ohne diese Tranche wäre Griechenland schnell zahlungsunfähig.