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Der Hoteldeal zeigt, wo das Problem Helgolands liegt: Wie lassen sich Tourismus und Offshore-Windindustrie verbinden? Werden die Elektroingenieure nicht einfach nur Zimmer blockieren, abends erschöpft ins Bett fallen – und nicht mehr ins Restaurant gehen und einen Helgoländer Hummer essen?

Seit Monaten versucht Singer, diese Sorgen zu zerstreuen. Der Wirtschaftsingenieur hat lange Zeit als Unternehmensberater gearbeitet, er weiß wie man Leute überzeugt. Er hat sich Studien besorgt, aus den USA , aus Großbritannien . Sie sollen belegen, dass der Ausbau der Windkraft den Tourismus sogar stützen kann. "Die Offshore-Windbranche, Tourismus und Forschung können auf Helgoland nebeneinander existieren", sagt er. "Gerade einmal fünf Prozent der Fläche von Helgoland werden für Offshore genutzt werden." Zudem profitiere Helgoland von hohen Pachteinnahmen im Hafen und von Liegegebühren für die Offshore-Schiffe.

"Helgoland wird ausverkauft"

Nils Pförtner ist einer der Helgoländer, die das für Kokolores halten. Der 72-Jährige steht in der Tür seines Ladens am Lung Wai und hält Ausschau nach Touristen. Die hohen Regale hinter ihm sind vollgepackt mit Alkohol, Parfüm und Zigaretten. Allein 1.800 Sorten Whisky hat er vorrätig. Pförtner bringt ein wenig Sylt-Flair nach Helgoland, er ist klein und braun, der Schnäuzer ist fein gestutzt, den dunkelblauen Pulli hat er sich über die Schultern gelegt und verknotet. Auf Helgoland gilt er als einer der big five , der Männer, die mit den Butterfahrten ein Vermögen gemacht haben. Zehn Spirituosen- und Parfümläden besitzt er auf der Insel, allesamt mit unterschiedlichen Werbeschildern, um nicht den Eindruck eines Monopolisten zu erwecken.

"Helgoland wird ausverkauft", sagt Pförtner und setzt sich hinter die Kasse. "Wer soll denn zukünftig noch kommen, wenn die Betten von Windleuten besetzt sind?" Die Verheißungen des Bürgermeisters hält er für übertrieben. Und er ist mit seiner Meinung nicht allein. Egal ob Pensionsbesitzer oder die Frau vom Fotoladen: Sie trauen den Prognosen der Windparkbetreiber nicht. "Die Zukunft Helgolands wird der Untergang sein", sagt Pförtner.

Es ist das alte Helgoland, das da jammert. Das neue Helgoland trifft sich derweil im Knieper, der Bierbar am Inselfahrstuhl. Thilo Denker sitzt dort mit seiner Frau. Er ist 45 Jahre alt, ein drahtiger Mann und Duzfreund von Singer, beide haben ihre Kindheit auf Helgoland verbracht. Mehr als zwanzig Jahre war auch Denker auf dem Festland, hat Karriere gemacht. Bis es ihm im vergangenen Jahr reichte. "Ich wollte raus aus der Mühle", sagt er. "Das Leben war zu durchgetaktet, alles war verplant."

Er kündigte den Job und zog zurück nach Helgoland. Zukünftig wird er bei einer Firma arbeiten, die Offshore-Windanlagen wartet. Weil sich schon jetzt der Bau der ersten Windparks verzögert, ist er vorerst bei der Schiffstankstelle unten am Südhafen untergekommen. Kleinstapeln nennt Denker das. Er nimmt es in Kauf, ohne Murren. "Die Offshore-Entwicklung ist wie ein Herzschrittmacher für Helgoland", sagt er. "Es ist unsere letzte Chance."