So kann man sich selbst ein Geschäft kaputt machen: Erst wird es auf Sparflamme gekocht, es gibt keine Werbung mehr und keine neuen Produkte, weil die Banken-Lobby protestiert hat und man ihr bloß keine Konkurrenz machen will. Am Ende wird das Geschäft dann eingestellt, mangels Masse, weil die Kosten zu hoch sind.

Die Rede ist vom Privatkundengeschäft der Finanzagentur, der Bundesbehörde im Frankfurter Mertonviertel, die die Schulden des Bundes managt und dafür Wertpapiere ausgibt, von der 30-jährigen Bundesanleihe bis hin zur Tagesanleihe des Bundes. Private können bei ihr ein Schuldbuchkonto führen und Papiere spesenfrei ordern.

Doch damit soll es, berichtet das Handelsblatt , Ende des Jahres vorbei sein. Für Privatanleger und Steuerzahler ist dies ärgerlich. Denn eigentlich gewinnen durch diese Geschäfte beide, Anleger und der Fiskus. Wenn der Bund viele Wertpapiere an Privatanleger verkauft, wird er weniger abhängig von Großinvestoren und kann sich günstiger verschulden. Sparer leihen einem der weltweit sichersten Schuldner ihr Geld und kassieren spesenfrei Zinsen.

Sparkassen liefen Sturm

So stellte sich der Bundestag die Zukunft des Privatkundengeschäfts der Finanzagentur vor, die die Schulden des Bundes managt. 2006 verabschiedete der ein Gesetz, mit dessen Hilfe mehr Privatkunden gewonnen werden sollten, "zur Diversifizierung der Kreditaufnahme" und um "dem Bürger zugleich eine sichere Geldanlage beim Bund anzubieten".

Im Juli 2008, rechtzeitig zur Eskalation der Finanzkrise , kam der Bund mit seiner Tagesanleihe auf den Markt. Die Finanzagentur warb mit der behäbigen Schildkröte Günther Schild für die "entspannendste Geldanlage Deutschlands". Die Agentur wollte die Zahl der Kunden auf eine Million verdoppeln, bereitete einen Sparplan vor, über den Anleger regelmäßig in einen Korb von Bundeswertpapieren investieren sollten. Auch an inflationsgesicherten Schatzbriefen wurde in der Agentur im Frankfurter Mertonviertel gebastelt, zuletzt auch an fondsähnlichen Produkten. Die wären sicherlich günstiger als viele von der Fondsbranche gegen saftige Gebühren verkauften Renten- und Geldmarktfonds.

Doch statt einer Million Konten wurde es zuletzt nur noch 300.000. Denn die Schuldenmanager des Bundes hatten ihre Rechnung ohne Banken und Sparkassen gemacht. Deren Verbände liefen Sturm gegen die Privatanleger-Pläne. 2008 wetterte ausgerechnet der damalige Bankenpräsident Klaus Peter Müller , dessen Commerzbank wenig später vom Staat gerettet werden musste , gegen "beachtliches Fehlverhalten und einen Verstoß gegen die soziale Marktwirtschaft".