Mit neuer Energie betitelt Peter Altmaier ( CDU ) sein 10-Punkte-Programm . Auf 26 Seiten hat der Bundesumweltminister festgehalten, was er bis zur nächsten Bundestagswahl noch schaffen will.

Das Programm ist ein typischer Altmaier. Es betont vor allem geplante Dialoge, Bürgerbeteiligungen und Konsensfindung. Altmaier will moderieren und gesellschaftlichen Konsens herstellen – egal, ob es um die Energiewende, das Endlagersuchgesetz oder den Anschlusses von Offshore-Windparks auf hoher See geht. "Mein persönlicher Stil ist dialog- und konsensorientiert", schreibt er und schwärmt von der Energiewende als "identitätsstiftendes Gemeinschaftswerk" für Deutschland.

Altmaiers Arbeitsprogramm umfasst allerdings nur wenig konkrete Maßnahmen mit definitiven Zeitplänen. Wenig sagt der Minister vor allem zu den Kosten der Energiewende. Dabei wird dieses Thema spätestens im Herbst eine große Rolle spielen, wenn die Höhe der Ökostromumlage bekanntgegeben wird und die Energiepreise pünktlich zur Heizsaison steigen werden.

Wenig Konkretes, viel Bekanntes

Schon jetzt wird über eine Steigerung der EEG-Umlage auf fünf Cent je Kilowattstunde spekuliert. Eine "bezahlbare Energiewende" fordert Altmaier, da sonst die Zustimmung in der Bevölkerung schwinde. Was das außer kostenloser Energieberatung bedeuten könnte, sagt er nicht.

Etwas konkreter wird er indes bei der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Altmaier kündigt an, im September einen Fahrplan zu Überarbeitung des EEG vorzulegen. Es garantiert Ökostromproduzenten eine lukrative Vergütung für jede Kilowattstunde Wind- oder Solarstrom, die sie ins Stromnetz einspeisen.

Das EEG langfristig reformieren

Das Problem ist, dass das EEG Opfer seines eigenen Erfolgs wird. Inzwischen spricht Altmaiers Amtskollege, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler , dem EEG unverhohlen die Existenzberechtigung ab . Je höher der Ökostromanteil, desto stärker wirbelt das EEG die deutsche Energielandschaft durcheinander.

Der Bau von konventionellen Kraftwerken, die zumindest in den kommenden Jahrzehnten als Reservekapazitäten benötigt werden, lohnt sich nicht mehr . Der Ausbau des Kraftwerkparks, egal ob Solarparks oder Kohlekraftwerke, geschieht deutschlandweit bislang komplett unkoordiniert.

"Die erneuerbaren Energien müssen mittelfristig auch ohne Einspeisevergütung durch das EEG markt- und wettbewerbsfähig werden", sagt Altmaier. Es ist eine Erkenntnis, die niemand bestreiten wird – selbst die Ökostrombranche betont das regelmäßig, wenn es um die Rechtfertigung der Ökostromumlage geht. Schließlich ist es gerade das Ziel des EEG, die erneuerbaren Energien so günstig zu machen, dass sie problemlos mit konventionellen Energien konkurrieren können.

Allerdings stellt Altmaier in seinen Ausführungen nicht die Vorfahrt für Ökostrom im Stromnetz infrage. Schließlich ist es gerade dieser sogenannte Einspeisevorrang, der für zahlreiche Probleme im Stromnetz sorgt – und den die FDP lieber heute als morgen gekippt sehen würde. Klar ist, dass es in den kommenden Monaten noch zu zahlreichen Schlagabtäuschen zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium darüber geben wird.

Die Grünen werteten die Ankündigung Altmaiers schon mal als Anschlag auf das EEG. "Mit seiner Drohung, die Einspeisevergütung für die Erneuerbaren Energien abzuschaffen, schafft Altmaier weitere Verunsicherung in einer heute schon von schwarz-gelb gebeutelten Branche", sagt deren Energiefachmann Hans-Josef Fell.

Traut sich Altmaier auch Entscheidungen zu?

An anderen Themen auf Altmaiers Liste wird bereits seit Monaten gearbeitet – mit entsprechend besseren Erfolgschancen. Das gilt etwa für das Endlagersuchgesetz für Atommüll. Schon Altmaiers Vorgänger Norbert Röttgen (CDU) hatte im Frühjahr angekündigt, dass Bund und Länder kurz vor einer Einigung stehen würden.

Altmaier will nun das Gesetz bis Ende des Jahres verabschiedet sehen. Einfach macht er es sich nicht: Gorleben soll weiterhin in der Liste möglicher Standorte auftauchen. Obwohl das für SPD und grün-geführte Länder bislang unvorstellbar ist, hofft Altmaier auf einen "fraktions- und länderübergreifenden Konsens".

Vorarbeiten des Vorgängers

Auch die Pläne zur Einführung einer deutschlandweiten Wertstofftonne oder das geplante Gesetz zur umstrittenen Gasfördermethode des Fracking hätten es wohl kaum auf die To-Do-Liste des Ministers geschafft, wenn dieser nicht deren Umsetzung für einigermaßen möglich hielte. Um bundesweit eine Wertstofftonne einführen zu können, muss Altmaier es allerdings schaffen, zwischen Kommunen und privaten Entsorgern zu vermitteln. Beide streiten sich zurzeit hartnäckig um den Zugriff auf die wertvollen Rohstoffe aus dem Müll.

13 Monate Zeit hat Altmaier noch, dann sind Bundestagswahlen. Es ist unwahrscheinlich, dass er im Sommer 2013 hinter jedem der zehn Punkte ein Erledigt schreiben kann. Vorsorglich spricht er lieber davon, dass er etwas "anstrebe" – das klingt zwar aktiv, nicht aber zwangsläufig nach einer Entscheidung.

Entscheidend wird sein, was aus all der Konsensfindung und den Gesprächen wird, die Altmaier in seinen ersten drei Monaten im Amt geführt hat und die er noch führen will. Traut er sich am Ende, Entscheidungen zu treffen und auch unpopuläre Positionen einzunehmen? Falls nicht, wird er – je nach Ausgang der Bundestagswahl 2013 – noch lange sein Zehn-Punkte-Programm abarbeiten.