Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg wollen den Hauptstadtflughafen mit einer Finanzspritze vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren. Das wurde aus der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft bekannt. "Es wird ein Mix sein aus Eigenkapital, aus Überbrückungskrediten und Gesellschafterdarlehen", sagte der Verkehrsstaatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Rainer Bomba (CDU).

Konkrete Summen nannte Bomba nicht. Bisher wird damit gerechnet, dass Mehrkosten von bis zu 1,17 Milliarden Euro fällig werden – unter anderem wegen der verschobenen Eröffnung. Die Lage sei "nicht optimal", sagte Bomba. Denn auch für die Finanzierung sei es wichtig zu wissen, wann der Flughafen fertiggestellt wird.

Diese Frage bleibt indes offen. Offiziell wurde der neue Eröffnungstermin am 17. März 2013 bislang zwar nicht verschoben. Es gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich, dass er eingehalten werden kann. Dem Vernehmen nach will der neue Flughafen-Technikchef Horst Amann erst zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 14. September über den Zeitplan entscheiden. Zuletzt war ein längerer Testbetrieb im Gespräch, damit Amann mehr Zeit zur Analyse der Probleme bekommt.

Antwort aus Brüssel steht noch aus

Auch in Sachen Finanzierung ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ein Beihilfeverfahren der EU-Kommission muss abgewartet werden, bevor das staatliche Geld bereitgestellt werden kann. Bomba kündigte an, dass demnächst Kontakt mit Brüssel aufgenommen werde.

Bislang haben der Bund und die beiden Länder für den Flughafen 430 Millionen Euro gezahlt. Außerdem bürgen sie für Kredite im Umfang von 2,4 Milliarden Euro. Der Bund hält 26 Prozent der Anteile, die Länder Berlin und Brandenburg jeweils 37 Prozent. Sollte die Flughafengesellschaft keinen neuen Kredit bekommen, könnte ihr Ende des Jahres das Geld ausgehen. Mit dem Kredit könnte sie bis weit ins Jahr 2013 hinein wirtschaften.

Auf seiner Sitzung beschloss der Aufsichtsrat zudem einen besseren Lärmschutz für die Anwohner des Flughafens. Allerdings bleibt das Unternehmen hinter der Maßgabe des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg zurück, wonach in den Häusern um den Flughafen normale Gespräche (55 Dezibel) tagsüber nie von Fluglärm übertönt werden dürfen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte einen Durchschnittswert von knapp unter 0,5 Überschreitungen pro Tag voraus.