Das Endspiel um den Euro hat begonnen. Die bisherigen Rettungsversuche sind klar gescheitert. In diesem kritischen Moment, in dem sich sichtbar Verzweiflung unter den Regierungen ausbreitet, erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi , dass die Zentralbank "alles" im Rahmen ihres Mandats tun werde, um den Euro zu retten. Die Reaktion der Märkte kann man nur mit euphorisch beschreiben.

In der Tat hat Draghi mitten im Wirrwarr der Rettungsbemühungen ein Zeichen gesetzt. Nur die EZB ist angesichts des tiefen Misstrauens, das der Währungsunion derzeit von allen Seiten entgegen schlägt, noch in der Lage, den Euro zu retten. Die Vertrauenskrise, in die die Finanzmärkte im Allgemeinen und der Euro-Raum im Besonderen geraten sind, kann nur durch Institutionen eingedämmt werden, die glaubwürdig über die hierzu notwendigen Mittel verfügen. Und dies ist im Euro-Raum allein die EZB.

Sie allein verfügt über theoretisch unbegrenzte Mittel, denn sie druckt das Geld. Dies ist auch der Grund, warum man Regierungen keinen ungehinderten Zugriff auf die Zentralbanken gewährt. Schließlich besteht der Verdacht, dass sie sich aus rein politischen Gründen über Gebühr der Notenpresse bedienen. Am Ende stünde dann Inflation.

Die sinnvolle Beschränkung von Regierungsmacht über Zentralbanken hat aber auch eine Kehrseite. Die Mittel der Euro-Staaten sind im Gegensatz zur EZB begrenzt, wenn man davon ausgeht, dass sie ihre Steuern nicht unbegrenzt erhöhen können. Und die bestehenden Rettungsschirme reichen nicht, um Spanien und Italien zu stützen. Gleichzeitig ist es höchst zweifelhaft, dass die Euro-Staaten ihren finanziellen Einsatz nochmals erhöhen. Deshalb reagieren die Märkte mittlerweile zurückhaltend bis panisch, wenn Staatsanleihen zu finanzieren sind. Wirklich helfen kann nur eine Institution, die über hinreichende Mittel verfügt, um die Märkte zu beeinflussen, und das ist allein die EZB. Schon die Andeutung, dass man Aufkäufe plane, wirkt Wunder.

In diesem Moment müssen die Akteure auf den Finanzmärkten davon ausgehen, dass die Kurse für Staatsanleihen wieder steigen, sobald die EZB interveniert. Also werden sie präventiv möglichst rasch selbst mit Käufen beginnen, um von den erwarteten höheren Kursen zu profitieren. Mit anderen Worten, allein Ankündigungen einer glaubwürdigen Institution sind bereits erfolgreich. Es spielt dann auch keine Rolle, wie hoch der akute Finanzierungsbedarf von einzelnen Krisen-Staaten wie Spanien ist. Da die Mittel der EZB unbegrenzt sind, reicht die Ankündigung, um die Kurse zu befeuern und die Renditeaufschläge zu senken. Es ist daher sogar sehr unwahrscheinlich, dass die EZB überhaupt in massivem Umfang Käufe tätigen muss. Wichtig ist, dass sie sie glaubwürdig ankündigt.