Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle widersprechen sich in ihrer Haltung zur Griechenland-Rettung. Der FDP-Politiker Westerwelle schließt es nicht aus, dem Land mehr Zeit zur Einhaltung des vereinbarten Reformprogramms zu gewähren. Die CDU-Politikerin Merkel lehnt dies strikt ab.

Der Außenminister begründete seine Position auf Spiegel Online : "Mit der in den griechischen Wahlkämpfen verlorenen Zeit muss umgegangen werden." Zugleich schränkte er allerdings ein: "Es ist klar, dass es keine substantiellen Änderungen an den Reformvereinbarungen geben kann."

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras wird kommende Woche Freitag zu einem Besuch bei Merkel erwartet. "Bei diesem Gespräch kann alles auf den Tisch kommen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Doch Grundlage für Hilfen seien weiter die getroffenen Vereinbarungen der Athener Regierung. "Und dieses gilt für uns", bekräftigte Seibert.

Samaras trifft sich auch mit Hollande

Zuvor hatte es aus der griechischen Regierung geheißen, der Reformplan solle um zwei Jahre bis 2016 gestreckt werden. In der Bundesregierung wird das sehr skeptisch gesehen, weil die voraussichtliche Folge ein zusätzlicher Kapitalbedarf wäre.

Um einen Staatsbankrott zu vermeiden , hofft die Regierung in Athen darauf, dass die internationalen Geldgeber weitere 30 Milliarden Euro der bereits beschlossenen Hilfen auszahlen. Die Vertreter von EU , Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds wollen aber darüber im September entscheiden, nachdem sie die Reformbemühungen erneut geprüft haben. Bisher haften die deutschen Steuerzahler aus dem ersten und zweiten Hilfspaket mit rund 37 Milliarden Euro für den Euro-Partner.

Samaras plant außer dem Treffen mit Merkel auch Begegnungen mit Frankreichs Präsident François Hollande und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker . Die griechische Regierung hat sich neue Einsparungen und Reformen im Umfang von 11,5 Milliarden Euro vorgenommen. Das Land erfüllt derzeit bei Budgetkürzungen und Privatisierungen dennoch nicht die Vorgaben.

Schröder fordert Ende der Beschimpfungen

Altkanzler Gerhard Schröder sprach sich dafür aus, Griechenland mehr Zeit zu geben. In einem Interview mit dem griechischen Staatsfernsehen NET forderte der SPD-Politiker mehr Solidarität Deutschlands mit dem hoch verschuldeten Euro-Land.

Er habe auch aus Solidarität mit seiner Familie den Urlaub auf der Insel Kos verbracht. Er hoffe und erwarte, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibe: "Es ist nicht einfach, aber es ist möglich."

Schröder forderte, die öffentliche Beschimpfung Griechenlands müsse eingestellt werden. Dies sei der europäischen Idee nicht dienlich und werde dem Euro nicht helfen. "Vor allen Dingen wünsche ich mir, dass das, was ich Griechenland-Bashing nenne, aufhört", sagte der Altkanzler.