Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben Griechenland aufgefordert, seine Reformzusagen einzuhalten. "Für mich ist wichtig, dass wir alle zu unseren Verpflichtungen stehen", sagte Merkel bei einem Besuch des französischen Staatsoberhaupts im Berliner Kanzleramt. Sie werde Griechenland ermutigen, den Reformweg weiterzugehen.

Hollande bekräftigte, dass "Griechenland natürlich die notwendigen Anstrengungen unternehmen" müsse, um weiterhin in der Euro-Zone verbleiben zu können. Auch wenn der Präsident bei seiner kurzen Ansprache in Berlin nicht direkt auf eine mögliche Lockerung der Sparziele einging, gaben seine Worte mehr Spielraum für entsprechende Interpretation. Es wird erwartet, dass Hollande einer Ausweitung des Reform-Zeitplans eher zustimmt als Merkel.  

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras kommt am Freitag zu Gesprächen mit Merkel nach Berlin, um sie von einem Aufschub der Reformen zu überzeugen. Am Samstag will er in Paris auch mit dem französischen Präsidenten über seine Pläne verhandeln.

75 Prozent der Deutschen gegen Sparaufschub

Der konservative Athener Regierungschef bittet um mehr Zeit, um die Wirtschaft schneller anzuregen und die Staatskassen sanieren zu können. Mit einer Entscheidung an diesem Freitag ist nicht zu rechnen. Erst wird der Bericht der internationalen Geldgeber im September abgewartet.

Die große Mehrheit der Bundesbürger lehnt eine Lockerung der Sparauflagen für Griechenland ab. Das hat eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Senders N24 ergeben. Demnach sind 75 Prozent der Deutschen gegen Zugeständnisse beim vereinbarten Reformkurs, nur 15 Prozent wären zu einem weiteren Entgegenkommen bereit.

Ein drittes Hilfspaket für Griechenland lehnen 69 Prozent der Befragten ab. 68 Prozent glauben nicht, dass die griechische Regierung tatsächlich alles tut, um die Reform- und Sparzusagen einzuhalten.

Portugal kann Sparziele wohl nicht einhalten

Wie sich nun abzeichnet, scheint auch Portugal seine vereinbarten Sparziele nicht einhalten zu können. Zum Ende des Jahres ein Defizit von 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu verbuchen, werde schwieriger, räumte das Finanzministerium nach der Veröffentlichung neuer Budgetzahlen ein. Zwar senkte die Regierung den zentralstaatlichen Fehlbetrag von Januar bis Juli um 39 Prozent, aber gleichzeitig musste sie einen Rückgang der Steuereinnahmen verbuchen.

Nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sollte Griechenland keinen Aufschub bekommen, wenn das Sparprogramm unglaubwürdig ausfallen sollte. Wenn aber "das neue Konsolidierungsprogramm der Griechen plausibel und belastbar ist, wäre es doch nicht besonders klug, wegen einer Verlängerung des Zahlungsziels von zwölf Monaten alle Forderungen in den Wind zu schreiben", sagte er. Merkel wird nach seiner Einschätzung am Ende einer Verlängerung zustimmen.