Nachdem bekannt wurde, dass verschiedene Großbanken den Libor manipuliert haben, wird nun Ähnliches beim Öl vermutet. Kritiker monieren insbesondere die fehlende Transparenz: Undurchsichtige Preisagenturen und die mächtigen Ölkonzerne seien demnach verantwortlich für Benzinpreise jenseits der 1,70 Euro und Heizölpreise von über 90 Euro pro 100 Liter und nicht allein Angebot und Nachfrage.

Dass der Benzinpreis derzeit nur knapp unter seinem Allzeithoch steht, liegt vor allem am niedrigen Euro-Kurs. Denn Öl wird in Dollar gehandelt und ein schwacher Euro treibt den Preis an deutschen Tankstellen nach oben. Trotzdem ist die Frage nach den Ursachen für den Preisanstieg von Öl und Benzin berechtigt. Denn der Ölpreis hat sich schon seit Jahren von der Entwicklung der Förderkosten abgekoppelt und führt quasi ein Eigenleben.

Die Art und Weise, wie die zahllosen Preise für Rohölsorten und Ölprodukte ermittelt werden, ist auf den ersten Blick nicht sehr vertrauenerweckend. Verschiedene Preisagenturen, am bekanntesten sind die amerikanische Platts und die britische Argus , rufen die Ölfirmen und Großeinkäufer mehrmals am Tag an, fragen nach, zu welchen Preisen sie heute Geschäfte abgeschlossen haben, notieren sich die Antworten, werfen einen Blick auf die Ölbörsen und den Nachrichtenticker, denken sich dann ihren Teil dazu und veröffentlichen auf dieser Grundlage den offiziellen Marktpreis. Oft tut sich aber gar nichts, denn auf vielen Märkten wird nur ein oder zwei Mal pro Woche ein nennenswerter Deal abgeschlossen. Im schlimmsten Fall schätzen die Agenturen den Preis einfach nach Gefühl. 

Alternativ dazu gibt es täglich öffentliche Auktionen auf ebenfalls von den Agenturen organisierten virtuellen Marktplätzen. Einer davon ist das sogenannte Platts Window . Hier kauft beispielsweise die US-Bank Morgan Stanley einen halben Tanker Rohöl in der Nordsee von einem Schweizer Ölgroßhändler. Aber auch dort gibt es so wenige Preissignale, dass nur mit viel gutem Willen von einem wirklichen Durchschnittspreis gesprochen werden kann.

Für die Aufsichtsbehörden ist dies ein großes Problem. Auch sie können sich nur auf die wenigen Daten stützen, die öffentlich werden. Eine Manipulation ist so nur schwer nachweisbar. Selbst die Saudis hüten sich, einen Festpreis zu verlangen. Sie nutzen sogenannte Formelpreise für ihre Ölsorten, beispielsweise   " Argus U.S. Sour Crude plus ein Dollar" oder "Brent minus 2 Dollar".

Aber auch wenn das Verfahren nicht zufriedenstellend ist, gibt es derzeit keine ernsthafte Alternative. Reine Marktpreise aus dem physischen Ölmarkt sind kaum beobachtbar und zu anfällig für Manipulationen, wie die siebziger Jahre und heute noch gelegentlich der Nordseemarkt zeigt.