Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras garantiert "persönlich" für die Kredite Deutschlands an sein Land. Trotzdem verweigert ihm der Bundeswirtschaftsminister mehr Zeit für die Sanierung der Staatsfinanzen. Ein Aufschub der Reformen in Griechenland helfe "nicht weiter" und "würde die Glaubwürdigkeit des Regelwerks schwächen", zitierte die Bild Rösler. Neues Vertrauen in den Euro entstehe nur, wenn sich alle an die Regeln hielten. "Das bedeutet auch: Wer fest vereinbarte Reformzusagen nicht einhält, kann keine weitere finanzielle Hilfe erwarten", mahnte Rösler einen Tag vor dem Besuch von Samaras in Berlin .

Ähnlich äußerte sich die Linkspartei . Deren Vorsitzende Katja Kipping warnte ebenfalls vor Zugeständnissen. "Wir sagen nein zu allem, was auf neue Geldspritzen hinausläuft", sagte sie dem Hamburger Abendblatt. Kipping kritisierte, dass Griechenland bis heute nicht konsequent gegen Kapitalflucht und Steuerhinterziehung vorgehe. Während "reiche Griechen" ihr Geld "in die Schweiz " verschöben, hafte die Allgemeinheit, sagte sie und forderte einen Sonderbeitrag von reichen Griechen.

Anders SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier : Er sprach sich dafür aus, Samaras' Regierung entgegenzukommen. "Wenn das neue Konsolidierungsprogramm der Griechen plausibel und belastbar ist, wäre es doch nicht besonders klug, wegen einer Verlängerung des Zahlungsziels von zwölf Monaten alle Forderungen in den Wind zu schreiben", sagte er der Frankfurter Rundschau. Er sei überzeugt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) "am Ende doch einer Verlängerung zustimmen" werde.

Samaras auf Rundreise

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz ( SPD ), warb dafür, die Bitte Samaras' um mehr Zeit für die Sanierung zu prüfen. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der Rheinischen Post, die Erwartungen an Griechenland müssten "realistisch und umsetzbar sein".

Samaras hatte am Mittwoch mehr Zeit für die von Griechenlands internationalen Geldgebern verlangten Reformen gefordert. Er kündigte zudem an, 30 Milliarden Euro durch Privatisierungen einnehmen zu wollen. Samaras wird am Freitag zu einem Gespräch mit Merkel erwartet. Am Samstag will er in Paris mit Frankreichs Präsident François Hollande sprechen. Hollande trifft bereits am heutigen Donnerstag Merkel in Berlin zusammen.

Samaras sagte in einem Interview, sein Land werde den Deutschen alle Schulden zurückzahlen . "Das garantiere ich persönlich." Er kündigte ein weiteres Mal an, die versprochene Privatisierung von Staatsbetrieben voranzutreiben. Er erhofft sich einen Erlös von 30 Milliarden Euro.

Hoffnung auf neue Tranche

Privatisierung und Sparen sind Bedingung für die Finanzhilfe der EU-Staaten. Samaras hofft auf eine weitere Tranche aus dem Kreditpaket der EU von 31 Milliarden Euro im Oktober. Insgesamt haben die Staaten dem überschuldeten Land mehr als 100 Milliarden Euro Finanzhilfe zugesichert.

Vertreter der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds prüfen derzeit die Sparanstrengungen. Ihr Bericht soll im September vorliegen. Von ihm hängt ab, ob das Land weitere Finanzhilfe erhält, um einer Staatspleite zu entgehen.