Douglas Hornung hat sich einen mächtigen Gegner ausgesucht. Der Genfer Anwalt, sonst eher ein zurückhaltender, stiller Mann, hat mit der Credit Suisse und der Schweizer Regierung quasi das komplette schweizerische Finanz- und Politestablishment verklagt.

Der Regierung wirft Hornung vor, ihre oberste Pflicht verletzt zu haben: Den Schutz der Schweizer Bürger. Regierungsmitglieder müssen gewusst haben, was im Frühjahr 2012 geschah, ist er überzeugt. Damals hatte die Großbank Credit Suisse auf Druck der amerikanischen Steuerbehörden die Namen und weitere Daten von rund 10.000 mehrheitlich einfachen Bankangestellten in die USA übermittelt. Die US-Ermittler werfen ihnen Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor.

Indem sie die Daten weitergaben oder zumindest die Weitergabe duldeten, hätten die Eliten den kleinen Mann von der Straße einfach im Stich gelassen, begründet der Rechtsanwalt seine Strafanzeige. Schließlich hätten die Bankberater nur ausgeführt, was ihr Arbeitgeber von ihnen verlangte. Rechtsexperten geben ihm gute Chancen in einem möglichen Prozess.

Der "Klub der Verratenen"

Mit der Weitergabe der Daten und Hornungs Klage hat die Debatte um das Bankgeheimnis in der Schweiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Die kleine Alpenrepublik verteidigt sich nicht mehr nur gegen die Großmacht USA und den übermächtigen Nachbarn Deutschland. Mittlerweile bekämpfen die Schweizer sich untereinander. Der Konflikt droht das Land zu spalten.

Es geht nicht mehr nur um Steuerbetrug und das Bankgeheimnis, sondern um einen angeblichen Klassenkampf und mangelnde Fürsorge der Schweizer Banken gegenüber ihren Angestellten. In der Westschweiz hat sich bereits ein "Klub der Verratenen" gegründet, der die Interessen der kleinen Bankmitarbeiter vertreten will.

Der Streit zeigt, wie wenig die Schweizer ihrer politischen Elite noch vertrauen. Die Regierung in Bern und die einflussreiche Bankenlobby seien mit dem Versuch gescheitert, in Anstand und Würde einen Schlussstrich unter das bisherige Geschäftsmodell der Schweiz zu ziehen, glauben viele. Stattdessen seien erst die Bankkunden und dann die einfachen Angestellten verraten worden. Selbst wenn dem so war: Geholfen hat es wenig, denn das Ausland lässt in seinen Vorwürfen nicht nach.

Die Meinungen darüber, was die Schweiz nun am besten tun sollte, gehen weit auseinander. Soll man das Bankgeheimnis um jeden Preis halten, selbst wenn das weitere Konflikte bedeutet? Oder ist weiterer Widerstand sowieso zwecklos? Der Bundesrat laviert zwischen beiden Polen und versucht mit einer Mischung aus Blockieren und Nachgeben, einen Kompromiss mit dem Ausland zu finden.