Die New Yorker Bankenaufsicht (DFS) ermittelt gegen die britische Bank Standard Chartered. Der Behörde zufolge soll die Bank über fast zehn Jahre verdeckt Transaktionen mit dem Iran im Volumen von 250 Milliarden Dollar getätigt haben. Unter den iranischen Kunden waren laut der Financial Times die Central Bank of Iran und zwei staatliche Institutionen, Bank Saderat und Bank Melli.

Die USA haben Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängt, weswegen die Geschäfte von US-Banken mit iranischen Kunden stark kontrolliert werden. Grund hierfür ist unter anderem die Sorge, dass Banken die Finanzierung des iranischen Atomprogramms unterstützen könnten. Standard Chartered ist damit bereits die dritte britische Großbank, gegen die Behörden in den USA ermitteln. Barclays erhielt dort im Zusammenhang mit dem Libor-Manipulationsskandal eine hohe Geldstrafe. Die Großbank HSBC geriet wegen verdächtiger Transaktionen, unter anderem in Mexiko , in die Kritik.

Die Bank habe die Identität ihrer iranischen Geschäftspartner bei etwa 60.000 Transaktionen bewusst verschleiert, schreibt die Financial Times weiter. Dabei hatte Standard Chartered offenbar die Unterstützung ihrer Abschlussprüfer. Derzeit prüft die DFS, ob die Bank auch illegale Transaktionen nach Libyen , Birma und dem Sudan vorgenommen hat.

Standard Chartered habe das "US-Finanzsystem angreifbar für Extremisten, Waffenhändler, Drogenhändler und korrupte Regime gemacht", hieß es in dem Schreiben der DFS . Die New Yorker Behörde droht nun dem Institut, die US-Lizenz entziehen. Damit würde Standard Chartered den direkten Zugang zum US-Markt verlieren.

Standard Chartered wies Vorwürfe zurück

Wegen des drohenden Verlusts der Banklizenz haben sich viele Anleger von ihren Standard-Chartered-Aktien getrennt. Die in Hongkong notierten Aktien des britischen Geldhauses verloren gegen den Markttrend um mehr als sieben Prozent. Bereits in London waren die Titel am Montagabend um sechs Prozent eingebrochen.

Standard Chartered wies die Vorwürfe der US-Behörden über unzulässigen Handel mit dem Iran zurück. Das Bankunternehmen erklärte in Hongkong, diese ergäben kein "vollständiges und zutreffendes Bild der Sachlage". Ihr Unternehmen nehme seine Verantwortung "sehr ernst", sagte Unternehmenschefin Annemarie Durbin. Es sei darum bemüht, "jederzeit mit den geltenden Gesetzen und Bestimmungen im Einklang" zu stehen. Die US-Behörde hatte Standard Chartered aufgefordert, die mutmaßlichen Geschäfte mit dem Iran bis zum 15. August aufzuklären.

Standard Chartered ist auf Geschäfte in den aufstrebenden Gebieten Asians, des Nahen Ostens und Afrikas spezialisiert. Seit fünf Jahren seien keine Neugeschäfte mit iranischen Vertragspartnern abgeschlossen worden, teilte Standard Chartered mit.