Dass die Angelegenheit drängt, war selten so deutlich wie auf Sylt . Dorthin hatte US-Präsident Barack Obama seinen Finanzminister geschickt, um im Ferienhaus von Finanzminister Wolfgang Schäuble fernab der Kameras Druck zu machen. Noch am selben Tag eilte Timothy Geithner weiter nach Frankfurt, zum Treffen mit Mario Draghi , dem Chef der Europäischen Zentralbank.

Seit Wochen steht das Weiße Haus in engem Kontakt mit der Führungsspitze in Europa , zwischen Washington , Berlin , Paris und Frankfurt stehen die Telefone selten still. Kaum eine Pressekonferenz lässt der US-Präsident aus, um für den Zusammenhalt Europas und die Rettung Griechenlands und Spaniens zu werben. Obama pocht auf "entscheidende Maßnahmen" von den Europäern zur Rettung des Euro.

Die wachsende Sorge ist nur zu verständlich. "Wenn Europa implodiert, fällt die US-Wirtschaft in eine neue Rezession – und Obama verliert mit hundertprozentiger Sicherheit die Wahl", sagt Doug Elliot vom einflussreichen Washingtoner Thinktank Brookings Institute. Ohnehin liegen drei Monate vor der Präsidentschaftswahl nur noch wenige Prozentpunkte zwischen dem Amtsinhaber und seinem Herausforderer.

Die Wirtschaft ist das wichtigste Wahlkampfthema

Das so ferne Europa könnte somit den Ausschlag geben, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird. "Es gilt als Konsens, dass das Schicksal der US-Wirtschaft in den kommenden drei Quartalen – und damit die Chancen auf Obamas Wiederwahl – in den Händen der Europäer liegen", schreibt auch Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman . Tatsächlich hat Obama nach Ansicht von zahlreichen Experten im Land kaum eine andere Möglichkeit, als auf Europa zu hoffen, um die Wirtschaft bis zu den Wahlen ein wenig in Schwung zu bringen.

Der Zustand der US-Wirtschaft ist das Wahlkampfthema Nummer eins. Die Arbeitslosenquote liegt bei hohen 8,2 Prozent. Gerade erst ist die US-Industrie zum zweiten Mal in Folge geschrumpft. Obamas Versuche, das Land mit Steuernachlässen und Konjunkturprogrammen rechtzeitig auf Kurs zu bringen, scheitern mit beständiger Regelmäßigkeit an der Blockadepolitik der Konservativen. Das dürfte sich bis zu den Wahlen im November kaum ändern.

Entsprechend sorgt die anhaltende Euro-Krise im Weißen Haus für wachsende Unruhe. Die EU ist nicht nur der wichtigste Handelspartner und zweitwichtigster Exportmarkt der USA . Auch die Finanzmärkte der beiden Kontinente sind eng verknüpft. Jeder Rückschlag in Europa droht deshalb, das immer noch fragile Wachstum in den USA zu zerstören.