Im Streit um die Honorare niedergelassener Ärzte gibt Gesundheitsminister Daniel Bahr den Krankenkassen eine Mitschuld. "Die Kassen haben mit ihren überzogenen Kürzungsforderungen den Unmut der Ärzte erzeugt", sagte Bahr der Bild . "Wenn es zu Praxisschließungen kommt, dann liegt die Verantwortung bei Ärzten und Kassen", sagte der Minister.

Die Kassenärzte drohen mit Protesten bis hin zu wochenlangen Praxisschließungen, falls die Krankenkassen ihre Honorar-Forderungen endgültig ablehnen. Kassenärzte und Krankenkassen kommen am heutigen Montag zusammen. In einem Schlichtungsgremium wird dann noch einmal über die Ärztehonorare im kommenden Jahr verhandelt. Die Grundsatzentscheidung war allerdings schon am vergangenen Donnerstag getroffen worden. Danach sollen die Honorare der niedergelassenen Ärzte nur um 0,9 Prozent erhöht werden. Die Ärzte hatten 11 Prozent mehr gefordert. Sie haben den Kassen bis Montag ein Ultimatum gestellt, ihr Angebot noch einmal nachzubessern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält einen Kompromiss noch für möglich. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. "Deshalb hoffe ich, dass beide Seiten zu einem entspannten Verhandlungsmodus zurückfinden", sagte Lauterbach der Saarbrücker Zeitung .

Die ursprüngliche Forderung der Kassen nach einer Honorarsenkung hält der SPD-Politiker für genauso überzogen wie die Ankündigung der Praxisärzte, ihre Forderungen notfalls mit einer Gerichtsklage durchsetzen zu wollen. "Die Kassenforderung war auch nicht angemessen, wenn man allein die milliardenschweren Rücklagen der Krankenversicherung in Betracht zieht", sagte Lauterbach. Ein allseits akzeptierter Kompromiss habe so kaum entstehen können. Was die Ärzteklage angeht, so könne er deren Rechtsgrundlage nicht erkennen.

14 Ärzteverbände hatten in der vergangenen Woche bundesweite Protestaktionen angekündigt. Dazu sollen Praxisschließungen gehören, ebenso wie verringerte Arbeitszeiten der Ärzte auf das gesetzliche Mindestmaß von 20 Stunden pro Woche. Patienten, die häufig kontrolliert werden müssten, sollten sich gleich in stationäre Behandlung begeben, "da wir dafür in den kommenden Tagen und Wochen keine Zeit haben werden", heißt es in einer Erklärung der Ärzte.