Als das erste Mal ein großer Brauereikonzern anrief, trommelte Christoph Barre die Familie zusammen – zur Krisensitzung. Kurz darauf stand fest: Die Brauerei wird nicht verkauft, noch nicht. Die beiden Konkurrenten in der Nachbarschaft, Rolinck und Herforder, hatten da schon aufgegeben und waren 2007 unter das Dach von Großbrauereien geflüchtet, von Krombacher und Warsteiner. Für sein Unternehmen, die Barre-Brauerei in Lübbecke nahe Osnabrück mit insgesamt fünf Braumeistern , sei das bis heute "einfach keine Alternative", sagt Barre. Zumindest solange es noch Kinder und Enkel gebe, die die Firma fortführen.

Barres Brauerei ist ein Sonderfall im internationalen Biergeschäft. Längst dominieren nicht mehr regionale Brauereien den Markt, sondern weltweit agierende Konzerne. Die größten Firmen heißen AB InBev, SABMiller oder Heineken . Weil die Großen der Branche seit Jahren auf Einkaufstour sind, stecken heute hinter so vertrauen Marken wie Franziskaner, Löwenbräu oder Diebels keine Familienunternehmen mehr, sondern Großbrauer mit Tausenden Mitarbeitern. Und immer öfter sind es deutsche Brauer, die von den Biermultis übernommen werden.

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Der Weltmarktführer AB InBev aus Belgien vereint inzwischen mehr als 200 Biermarken unter seinem Dach, darunter Stella Artois und die bekannte norddeutsche Biermarke Becks . 116.000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern in 26 Ländern, knapp 400 Millionen Hektoliter Bier produzierte das Unternehmen im vergangen Jahr. Zum Vergleich: Die deutschen Brauer verkauften im selben Zeitraum rund 96 Millionen Hektoliter, die kleine Barre-Brauerei lediglich 150.000 Hektoliter. Der Umsatz der Belgier betrug im vergangenen Jahr rund 31 Milliarden Dollar. Zuletzt kaufte das Unternehmen für 20 Milliarden Dollar den mexikanischen Konkurrenten Grupo Modelo, der in Deutschland wegen seiner Marke Corona bekannt ist.

"Die Deutschen haben den Markt verpennt"

Der größte Konkurrent im Markt, SAB Miller aus Großbritannien , will da mitziehen und eröffnete vor wenigen Tagen seine vierte Brauerei in Nigeria . In den vergangenen Jahren übernahm der Konzern Brauereien in 75 Ländern, mittlerweile produziert das Unternehmen jedes Jahr rund 180 Millionen Hektoliter Bier – darunter das tschechische Pilsner Urquell und das Lagerbier Miller. Das niederländische Unternehmen Heineken versucht seinerseits seit Monaten, den Hersteller Asia Pacific zu übernehmen, der in Asien die Marke Tiger Beer braut.

Die Globalisierung des Biermarktes ist in vollem Gange – doch ausgerechnet die Brauer aus der Biernation Deutschland spielen dabei keine Rolle. "Wir haben den Markt verpennt", sagt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauerbund . Ein Grund ist aus Sicht des Verbandesvertreters die Wiedervereinigung. Anfang der neunziger Jahre hätten viele Brauer in den Osten der Republik investiert und  anschließend zu wenig Kapital gehabt, um in die neuen Märkte in Asien und den USA einzusteigen. Der deutsche Marktführer Radeberger, der unter anderem die Marken Jever und Schöfferhofer im Sortiment führt, kommt heute nur noch auf einen Anteil von 0,7 Prozent an der weltweiten Bierproduktion. Damit ist die Firma nur die Nummer 23 der Welt .