Die Finanzmärkte haben auf die Zusage der Europäischen Zentralbank , unbegrenzt Schuldenpapiere zu kaufen, positiv reagiert. Unmittelbar nach Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi zogen die Kurse von Dax , EuroStoxx sowie spanischen und italienischen Anleihen kräftig an. Auch der Euro ging nach anfänglichem Zögern nach oben.

Besondere Beachtung fand an den Märkten die Beteuerung Draghis , dass die Anleihenkäufe notfalls im unbegrenzten Umfang stattfinden würden. Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus sagte, dass es nicht gut gewesen wäre, wenn die EZB Grenzen bezüglich des Umfangs oder der Zinshöhen für das Anleihenkaufprogramm aufgezeigt hätte: "Denn dagegen wäre wieder spekuliert worden. Das Wort 'unbegrenzt' ist von der EZB als Zeichen der Stärke gewählt worden."

Volkswirt Sartoris sagte weiter: Ein nun möglich gewordenes, koordiniertes Vorgehen von EZB und Regierungen sei dazu geeignet, die Märkte für längere Zeit zu beruhigen. Die Regierungen betroffener Länder wie Spanien müssten sich nun dazu durchringen, das Angebot der EZB anzunehmen und Reformen unter den Rettungsschirmen ESM und EFSF einzuleiten. "Jetzt hängt es von der Politik und nicht von der EZB ab, das Angebot anzunehmen." Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Madrid , er könne noch nicht sagen, ob sein Land Hilfe in Anspruch nehmen werde.

Kritische Töne kamen erneut von Bundesbankpräsident Jens Weidmann . Das Vorgehen der EZB sei aus Weidmanns Sicht "zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse", sagte ein Bundesbanksprecher. Die Geldpolitik laufe damit Gefahr, in das Schlepptau der Fiskalpolitik zu geraten.

DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier wies auf das Dilemma hin, in dem EZB und Euro-Zonen-Länder stecken: "Würde die EZB nicht in den Markt eingreifen, könnten einzelne Länder weiter in die Abwärtsspirale gedrängt werden – bis hin zum Austritt. Es gibt derzeit genau zwei Optionen: Entweder wir finden den Weg zu einer teilweisen Vergemeinschaftung der Schulden oder die bereits sichtbaren Zentrifugalkräfte in der Währungsunion verstärken sich weiter."