Die EU-Kommission geht gegen den russischen Energieriesen Gazprom vor: Die Brüsseler Behörde eröffnete ein förmliches Wettbewerbsverfahren, weil sie den Konzern verdächtigt, "seine beherrschende Marktposition" bei der Gasversorgung in einem Teil der EU zu missbrauchen, wie es in einer Kommissionsmitteilung hieß.

Die Kommission wirft Gazprom drei unfaire Geschäftspraktiken vor: Gazprom habe möglicherweise den Transport von Gas in EU-Staaten behindert, den Markt abgeschottet und den Kunden unfaire Preise in Rechnung gestellt. Auf diese Weise, so verlautet aus der EU-Kommission, habe Gazprom anscheinend seine Monopolstellung auf vielen osteuropäischen Energiemärkten sichern wollen.

Die Kommission untersucht die Lage auf mittel- und osteuropäischen Gasmärkten. Betroffen sind laut EU-Kreisen acht Länder, darunter Polen und die baltischen Staaten, Deutschland gehöre nicht dazu. "Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Untersuchung ausgeweitet wird", hieß es weiter.

Wenn Gazprom den Wettbewerb tatsächlich einschränke, könnte dies "zu höheren Preisen und einer Verschlechterung der Versorgungssicherheit führen", kritisiert die Kommission. "Letzten Endes würde solches Verhalten EU-Konsumenten schaden." Insgesamt kommen etwa 25 Prozent des in der EU verbrauchten Gases aus Russland .

Nach Einschätzung von Diplomaten will die Kommission die Marktmacht von Gazprom brechen. Der Fall hat auch eine politische Dimension, da viele EU-Länder bei der Energieversorgung von russischem Gas abhängig sind und es in diesem Punkt immer wieder Spannungen zwischen der EU und Russland gibt.

Razzien bei RWE und E.on

Bereits im September 2011 hatte die EU-Kommission Hausdurchsuchungen bei mehreren Gasunternehmen öffentlich gemacht. Darunter waren neben Gazprom auch RWE und E.on . Damals ging es einerseits um den Verdacht, dass die Unternehmen gemeinsame Sache gemacht und zum Beispiel Märkte aufgeteilt hätten. Es ging aber auch um den Verdacht, dass Gazprom allein die anderen Firmen übervorteilt.

Bis jetzt hat die Kommission noch keine Beweise. Falls Gazprom letztlich Verstöße gegen das europäische Recht nachgewiesen würden, droht dem Konzern eine Geldbuße bis zur Höhe von zehn Prozent eines Jahresumsatzes.