Nach der Sommerpause hat Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds ( IWF ), ihre Inspektoren wieder nach Griechenland geschickt. Dort sollen sie zusammen mit Vertretern anderer Gläubiger – der Troika aus IWF, EU und EZB – die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung prüfen. Nur wenn die Inspektoren sich von der Ernsthaftigkeit des griechischen Sparwillens überzeugt haben, soll die nächste Tranche des Rettungspakets an das notleidende Land ausgereicht werden.

Die ersten Signale sind nicht vielversprechend – die Prüfer üben Kritik an den Reform- und Sparanstrengungen von Premier Antonis Samaras. Bis Ende des Monats wollen sie ihren Bericht vorlegen. Nicht nur für die Euro-Zone und Athen steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel – auch die Zukunft des IWF wird sich entscheiden.

Dabei hatte die Wahl von Lagarde zur Frontfrau des Währungsfonds im Juli vergangenen Jahres zunächst für Erleichterung in Griechenland und der Euro-Zone gesorgt. Mit der Französin bekam wieder eine Europäerin den Top-Job. Als ehemalige Finanzministerin des EU-Kernlandes Frankreich würde sie die Zwänge, Probleme und Nöte der Europäer persönlich kennen, glaubte man in Europa . Doch wer auf eine nachsichtigere Tonart gehofft hatte, sah sich schnell enttäuscht. Hart ging Lagarde mit den Griechen ins Gericht.

Schwellenländer wollen stärker mitreden

Es sei "Zahltag", sagte sie in einem Interview mit dem britischen Guardian , und die Griechen sollten endlich ihre Steuern zahlen. Über 17.000 Kommentare erhielt die Facebook-Seite der IWF-Chefin daraufhin – nur ein geringer Teil positiv. Sie entschuldigte sich zwar, dass ihre Bemerkungen "missverstanden" worden seien. Aber als die griechische Regierung im Sommer dann andeutete, man wolle über eine Erleichterung der Bedingungen des Rettungspaktes diskutieren, ließ Lagarde per TV-Interview wissen, der IWF sei "nicht in Verhandlungslaune, sondern in Fakten-Laune".

Kaum im Amt, ärgerte sie mit ihren Forderungen nach höheren Kapitalauflagen für europäische Banken ihre früheren Amtskollegen. Auch ihr Einsatz für Euro-Bonds kam – vor allem in Berlin – nicht gut an. Die Forderung einer Bankenunion wird inzwischen konkret diskutiert – Lagarde hatte sich für eine solche Union schon vor Monaten als Teil der Lösung stark gemacht und die Europäer damit öffentlich unter Druck gesetzt.

Lagarde bewegt sich auf einem schmalen Grat: Denn wenn sich die Europäer in ihrer Erwartung, in Lagarde eine Verbündete zu haben, getäuscht fühlen, geht es den außereuropäischen IWF-Mitgliedern nicht viel besser. Nachdem ihr Vorgänger Dominique Strauss-Kahn durch einen Sex-Skandal gefallen war, sahen viele außereuropäische Mitgliedsländer ihre Stunde gekommen.

Schon lange fordern Schwellenländer ein größeres Gewicht im IWF. Der Währungsfonds wurde wie die Schwesterorganisation, die Weltbank, nach dem zweiten Weltkrieg auf der Bretton-Woods-Konferenz auf Betreiben der Amerikaner ins Leben gerufen. Die beiden Institutionen sollten in der Theorie helfen, gefährliche wirtschaftliche Ungleichgewichte zu entschärfen und möglichst einen reibungslosen globalen Handel zu ermöglichen. Während die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geführt wird, halten die Europäer den Chefposten beim IWF.