de Volkskrant(Niederlande): Die EZB wird bis zum Äußersten gehen

"Der EZB-Präsident Mario Draghi tat, was von ihm erwartet wurde, aber vieles an seinem Rettungsplan ist noch undeutlich. (...) Neue Gefahren liegen auf der Lauer. Zuallererst muss über die Rahmenbedingungen des Ankaufprogramms diskutiert werden. So ist die Rolle des IWF beispielsweise noch unsicher. Unklar ist auch, wie umfassend die Kontrolle Spaniens sein soll. Ist der Notfonds überhaupt stark genug, um Geld an die Problemländer zu verleihen? Diese Frage steht nächste Woche auf der Tagesordnung, wenn sich das Bundesverfassungsgericht damit befasst, ob Deutschland Geld für den ESM-Rettungsschirm zur Verfügung stellt. Eine Gefahr scheint jedoch definitiv gebannt. Zögerliche Bankpräsidenten bringen den Euro nicht zu Fall, denn die EZB wird bis zum Äußersten gehen, um den Euro zu retten."

Le Figaro(Frankreich): Zum Teufel mit der monetären Lehre

"Super Mario hat seine Verantwortung übernommen, so wie ihn alle inständig gebeten hatten. Zum Teufel mit der reinen monetären Lehre! Mario Draghi hat zweifellos 'seinen Job gemacht', wie man so schön sagt. Doch so pragmatisch und geschickt er auch sein mag, der EZB-Präsident kann nicht alles tun. Er fordert zu Recht Anstrengungen als Gegenleistung. Die Märkte zu beruhigen ist eine Sache. Eine ganz andere Sache ist es, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Dafür sind jedoch einzig und allein die Staaten verantwortlich. Sie müssen jetzt ihre Entschlossenheit unter Beweis stellen, ihre Wirtschaft wieder auf die Beine zu stellen. Bei uns ist das eine gewaltige Aufgabe, und von Strukturreformen und Kürzungen öffentlicher Ausgaben ist weit und breit nichts festzustellen. Draghi muss wie viele andere Europäer auch Frankreich sehr leichtsinnig finden."

Der Standard(Österreich): Die EZB spielt ein gefährliches Spiel

"Die jetzigen Staatsanleihenkäufe der EZB kann man noch als Überbrückung bis zu dem Zeitpunkt rechtfertigen, an dem die Strukturreformen in den Krisenländern greifen. Doch ein wichtiger Grund für die hohen Zinsen sind die Zombie-Banken, die ausgerechnet von der Zentralbank durchgefüttert anstatt ausgehungert werden. So gesehen spielt auch die EZB bei allen Unterschieden zur US-Fed ein gefährliches Spiel. Sie springt dort ein, wo sich die Politik als unfähig erwiesen hat, und riskiert damit angesichts des deutschen Widerstands eine schwere interne Spaltung. Schon zuvor ist die EZB der zarten Versuchung der Notenpresse erlegen. So süß der Geschmack am Anfang sein mag, so bitter wird er mit der Zeit."

Libération(Frankreich): Ein Tag der Hoffnung

"Noch weiß man nicht, ob dieser 6. September 2012 in die Geschichte eingehen wird, möglich ist es. In Frankfurt war es nicht ein 'schwarzer Donnerstag', sondern ein Tag der Hoffnung, oder besser der enormen Erleichterung. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat einen Satz ausgesprochen, der Milliarden Euro wert ist (...): Die Bank wird künftig "unbegrenzt" Staatsschulden von Ländern der Euro-Zone aufkaufen. Diese Entscheidung der EZB verschafft den Ländern Luft, die am meisten in Schwierigkeiten stecken – Spanien und Italien . Zugleich erhöht sie paradoxerweise den Druck auf mehrere Mitgliedsstaaten, entschieden zu Handeln, besonders Frankreich (...). Der Ball ist wieder im Lager der Politik."

Neue Züricher Zeitung (Schweiz):   Die Verwischung der Verantwortung

"Geldpolitiker, die eigentlich die Währung stabil halten sollten, haben sich mit der jüngsten Aktion langfristig eine Rolle als Retter mit umfangreichen Kompetenzen gesichert. All dies mag der Rettung der Einheitswährung dienen – allerdings unter Preisgabe ihrer früheren Qualität. Für Bürger, Sparer und Steuerzahler vor allem der solideren Länder der Euro-Zone ist die jüngste Wendung in der EZB-Geldpolitik mit großen Risiken verbunden. Die Schaffung einer anderen, stärker südorientierten EZB als "Heim für den Euro" wird in ihrer Wirkung wahrscheinlich auf etwas Ähnliches hinauslaufen wie die Vergemeinschaftung von Schulden oder die EU-weite Umverteilung von Steuer- und Sozialversicherungs-Belastungen. Dies bedeutet zum einen eine Verwischung der Verantwortung für Währungsstabilität und Eigenverantwortung sowie zum andern eine stärkere Politisierung der Entscheidungsprozesse innerhalb und außerhalb der Zentralbank."

Sud-Ouest(Frankreich): Der Herrscher über Europa ist Mario Draghi

"Die Herrscher über Europa sind nicht (Frankreichs Staatschef) François Hollande oder (Bundeskanzlerin) Angela Merkel , sondern (EZB-Chef) Mario Draghi (...). Er hat die Leere besetzt, die das deutsch-französische Paar hinterlassen hat, das nicht in der Lage ist, Europa eine klare und einheitliche Linie zu geben. Was haben also Mario Draghi und seine Kollegen gestern entschieden? Nicht weniger als eine kleine Revolution: Ein Programm, das es erlaubt, die Schulden der schwächsten europäischen Staaten aufzukaufen (...). Leider haben die Märkte und die Spekulation immer einen Vorsprung vor dem edlen Regeln der Demokratie und des Rechtsstaats. Das Verdienst des Programms von 'Super Mario' ist, die Verteidiger des Euro wieder in einen Rhythmus mit dem der Gegner zu bringen."

La Vanguardia(Spanien): Draghi hat sein Versprechen gehalten

"Die Ankündigungen von EZB-Präsident Mario Draghi lassen einige wichtige Aspekte offen. Es ist zum Beispiel unklar, was geschieht, wenn ein Land von einer EZB-Intervention auf den Anleihemärkten profitiert, dann aber seine Verpflichtungen nicht einhält oder nicht in der Lage ist, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. An dieser Frage wird sich zeigen, ob Draghis Plan ausreichen wird, die Krise des Euro zu überwinden. Der EZB-Chef hat jedenfalls sein Versprechen gehalten, das er im Juli gegeben hatte. Er ist bereit, alles zu tun, um die gemeinsame Währung zu retten."

Kurier(Österreich): Lösungen mussten auf den Tisch

"Dass hier Inflationsgefahren lauern, wissen die Zentralbanker. Auch dass die EZB Gefahr läuft, zur " Bad Bank " von Europa zu werden, weil man auf spanischen und italienischen Anleihen sitzen bleiben könnte, ist bekannt. Schließlich hat die Regierung in Berlin und die Deutsche Bundesbank keine Gelegenheit ausgelassen, auf die Risiken hinzuweisen. Was alles nicht geht, ist ausreichend kommuniziert. Jetzt mussten Lösungen auf den Tisch, wenn nicht ganz Euro-Land unter den Rettungsschirm soll."