Obwohl sich Ärzte und Kassen am Dienstag geeinigt haben, protestieren am Mittwoch die Ärzte. Es geht ihnen nicht nur um mehr Honorar – sie werden im kommenden Jahr zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro mehr bekommen. Nein, die Ärzte protestieren, weil sie verbindlich festgelegte Preise für ihre Leistungen möchten.

Bislang ist das System für die meisten Ärzte mehr als intransparent. Die 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen haben großen Handlungsspielraum, wie sie die Leistung eines Arztes vergüten – zum Beispiel ein Beratungsgespräch, eine Augenuntersuchung oder ein EKG. Also bekommt ein Augenarzt nicht dasselbe Honorar wie ein Radiologe. Aber auch die Gynäkologin in der Uckermark wird nicht automatisch so bezahlt wie ihre Kollegin am Starnberger See .

Dieses System ist Irrsinn. Aber es reicht eben auch nicht, Leistungen nur fest zu vergüten und die Verteilung des Geldes transparenter zu machen. Weitgehend aus dem Blick geraten ist das Wohl des Patienten.

Einer der ersten Texte, der den Arztberuf professionalisiert, ist der Codex Hammurabi. Er schlägt vor, einem Arzt für eine Operation mit einem Messer zehn Shekel Silber zu bezahlen. Falls der Patient dabei stirbt, soll dem Arzt die Hand abgehackt werden. Der Text stammt aus dem 18. Jahrhundert vor Christus. Man darf darauf vertrauen, dass es die Lobbygruppe der mesopotanischen Ärzte war, die darauf gedrungen hat, dass die zweite Klausel rasch abgeschafft wird.

Seitdem werden Ärzte für das bezahlt, was sie tun. Die Folge ist das System, das wir heute haben: Ein System, das die vielen individuellen Leistungen der Ärzte honoriert. Nur so kann es geschehen, dass Menschen mit komplexen Krankheiten Facharzt für Facharzt aufsuchen, die alle unterschiedliche Behandlungskonzepte vorschlagen . Wie es dem Patienten am Ende geht, ist diesem System egal.