Die Chancen auf eine finanzielle Rettung Griechenlands sind wieder gestiegen: Die Troika der Schuldenkontrolleure hat sich mit der Athener Regierung "auf die meisten Schlüsselmaßnahmen" geeinigt, um das Sparprogramm erfolgreich zu Ende zu bringen, teilten die beteiligten Institutionen Europäische Zentralbank, EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds mit. Eine vollständige Einigung sei "in den kommenden Tagen" zu erwarten. Gelöst werden müssten im Grunde nur noch "technische Fragen" zu bestimmten Reformelementen und einzelnen Sparmaßnahmen, sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn . Die Kontrolleure reisten aus Athen ab.

Bis zum EU-Gipfeltreffen, das am Donnerstag beginnt, werde aber noch kein Zwischenbericht der Troika vorliegen, sagte Rehns Sprecher. Damit dürfte das überschuldete Land auf der Tagesordnung des Treffens keine prominente Rolle spielen.

In den Gesprächen am Rand der Runde aber dürfte Griechenland auf jeden Fall Thema sein , nicht zuletzt durch einen Vorschlag, den Deutschland jetzt reaktivierte: Denn die Bundesregierung sucht nach Möglichkeiten, trotz ihrer Garantie für die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands nicht den Reformdruck von dem Land zu nehmen. Wie aus Koalitionskreisen in Berlin verlautete, strebt die Regierung an, bereits die nächste Kredittranche von 31,5 Milliarden Euro auf ein Sonderkonto zu zahlen, auf das die Athener Regierung keinen Zugriff hat. Das Geld soll dazu dienen, Zinsen und Tilgungsraten der griechischen Kredite zu zahlen.

Eine Lösung, die hält

"Wir wollen jetzt eine Lösung, die hält", hieß es aus der Bundesregierung. Damit verdichten sich auch Hinweise darauf, dass die nächste Hilfszahlung an Athen im November auch tatsächlich fließt. Das Land braucht die Milliardensumme dringend, um nicht bankrott zu gehen.

Die Bundesregierung hatte zuletzt bekräftigt, Griechenland unbedingt im Euro-Raum halten zu wollen . Einen Staatsbankrott für Athen werde es nicht geben, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und gab damit eine Art Garantie.

Streiks am Donnerstag

Denn ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte nach Einschätzung von Experten die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen . Laut einer Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden. Deutschland müsste mit 73 Milliarden Euro Einbußen rechnen.

Konstruktionsfehler des Maastrichter Vertrags

Die Koalitionsregierung in Athen jedoch ist untereinander uneins über die Sparpolitik. Seit Monaten streitet sie intern um das geplante 13,5 Milliarden Euro schwere Reformpaket. Die griechischen Gewerkschaften protestieren heftig gegen noch weitere Einsparungen.

An diesem Donnerstag wollen Staatsbedienstete, Bank-, Post- und Eisenbahnangestellte für 24 Stunden streiken. Die Fluglotsen kündigten für diesen Donnerstag eine dreistündige Arbeitsniederlegung an.