Drei Tage lang hatten die Steuerfachleute zusammengesessen – dann endlich gaben sie die Zahl bekannt: Dank "erfreulicher konjunktureller Entwicklungen" kann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) mit 5,8 Milliarden Euro mehr Erlösen rechnen, als ursprünglich geplant . Insgesamt werden in diesem Jahr die Steuereinnahmen bei 602 Milliarden Euro liegen. Bund, Länder, Gemeinden und EU teilen sie untereinander auf.

Doch fürs Jubeln bleibt Schwarz-Gelb wenig Zeit. Schon im kommenden Jahr rechnen die Steuerexperten mit geringeren Zuwächsen. Die Jahre der sprudelnden Steuereinnahmen sind eindeutig vorbei.

Schon jetzt warnt die SPD , die im Bundesrat die Mehrheit hat, dass es im kommenden Jahr nichts zu verteilen gebe. "Für Steuersenkungen besteht kein Spielraum", sagt Carsten Kühl (SPD), Finanzminister von Rheinland-Pfalz . "Wir sollten unseren Blick nun besser auf eine gerechtere Verteilung der Steuerlast legen und unser Steuerrecht vereinfachen. Da hat der Bürger mehr davon als von wahltaktisch begründeten Steuergeschenken."

Wie angespannt die Lage im Bundeshaushalt noch werden könnte, zeigt exemplarisch ein Blick in die Kasse der Bundesagentur für Arbeit. Noch ist die Lage relativ entspannt. Der Chef der Bundesagentur, Frank Weise, spricht von einem "robusten Arbeitsmarkt". Dieses Jahr wird die Behörde voraussichtlich sogar 2,1 Milliarden Euro Überschuss einfahren.

Das mag erst einmal recht erquicklich klingen. Doch ein Vergleich mit dem Jahr 2008 hilft. Die Bundesagentur startete mit einem Überschuss von rund 18 Milliarden Euro ins Krisenjahr 2009. Weltweit brach damals die Konjunktur ein, in Deutschland schrumpfte die Wirtschaft um fünf Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 8,2 Prozent an.

Kurzarbeit verhinderte Massenentlassungen

Um Massenentlassungen zu verhindern, griff die Bundesregierung zur Geheimwaffe " Kurzarbeit ".  Wenn Firmen ihre Arbeitnehmer weniger arbeiten lassen, stockt die Bundesagentur mit Kurzarbeitergeld das Gehalt wieder auf. In der Krise schöpfte die Regierung das Instrument weidlich aus. Sie verlängerte die Zahlungen zwischenzeitlich von sechs auf 24 Monate – und entlastete die Unternehmen so um Milliarden.

Doch dafür reichte selbst das dicke Finanzpolster der Bundesagentur von 18 Milliarden Euro nicht aus: Die Bundesagentur wurde von Anträgen überrannt. Zu Höchstzeiten waren rund 1,4 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Das Jahr 2010 schloss sie mit einem Defizit von 5,2 Milliarden Euro. Am Ende erließ der Bund ihr das Minus.