Europa und die USA wollen möglichst bald die größte Freihandelszone der Welt schaffen und damit die schwache Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks anregen. US-Präsident Barack Obama und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigten Gespräche über einen Pakt zum Abbau von Zöllen und Handelsschranken an.

EU-Handelskommissar Karel De Gucht sagte, mit einem Abschluss der Verhandlungen sei Mitte 2015 zu rechnen. Es betreffe alle Wirtschaftssektoren. Die EU erwartet wegen vieler Handelskonflikte in der Vergangenheit allerdings schwierige Gespräche.

In dem Abkommen soll es neben Handelszöllen auch um andere Hindernisse gehen. Technische Standards und Zertifizierungen sollen harmonisiert werden. Als Beispiel nannte De Gucht den Autobau: Hier könnte es sinnvoll sein, dass EU und USA gegenseitig ihre Sicherheitsstandards akzeptierten, um Mehrkosten zu kappen.

"Thema Agrar würde Gespräche belasten"

Besonders umstritten sind aber die Vorgaben für Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte. Die EU-Restriktionen gegen genetisch veränderte Pflanzen will die EU aus dem Abkommen ausklammern. Auch von ihrem Verbot des Einsatzes von Wachstumshormonen in der Tierzucht will die EU nicht abrücken. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland riet, den Sektor Landwirtschaft ganz auszunehmen. "Das Thema Agrar würde die Gespräche nur belasten", sagte AmCham-Präsident Fred Irwin.

Die Vorbereitungen zu dem Abkommen sollen umgehend beginnen, der Start konkreter Gespräche sei schon zur Jahresmitte denkbar. Deutschland erwartet durch ein solches Abkommen für beide Seiten auch Schwung für den Arbeitsmarkt und die Einkommen. Die deutschen Exporteure halten Milliarden-Zuwächse für möglich. Die USA und die EU stehen für etwa die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung und ein Drittel des Welthandels.

BIP der EU um halbes Prozent steigern

"Wir werden die größte Freihandelszone der Welt ins Leben rufen", sagte Barroso. Das Bruttoinlandsprodukt der EU-Staaten könne durch den Abbau solcher Zölle und Handelshemmnisse bis 2027 um ein halbes Prozent jährlich steigen.

Obama hatte nur Stunden zuvor den Beginn der Gespräche in seiner Rede zur Lage der Nation angekündigt. In seiner zweiten Amtszeit will er die schwache Wirtschaft seines Landes kräftig anschieben und setzt dabei auch auf den internationalen Handel.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass das für die Kommission notwendige Verhandlungsmandat von den EU-Staaten rechtzeitig erteilt wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) begrüßten Obamas Ankündigung.

Auch die deutsche Wirtschaft verspricht sich von einem Freihandelsabkommen Impulse in Milliardenhöhe. "Das könnte unsere Exporte in die Vereinigten Staaten um jährlich drei bis fünf Milliarden Euro erhöhen", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier.