Die Reform zur Stabilisierung des schleppenden EU-Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten ist einen Schritt weiter: Die Pläne von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard zum Zurückhalten von 900 Millionen CO2-Zertifikaten fanden im Umweltausschuss des Europaparlaments die notwendige Mehrheit. Parlamentarier aus Reihen der Christdemokraten, Konservativen und Liberalen konnten sich nicht mit ihrem Vorhaben durchsetzen, den geplanten Eingriff in den Emissionshandel zu verhindern.

Der Emissionshandel ist das entscheidende Marktinstrument für Klimaschutz in der EU . Unternehmen müssen dafür zahlen, dass sie CO2 emittieren. Die Zertifikate handeln sie an der Börse. Durch billige CO2-Zertifikate haben Unternehmen keinen Anreiz, das Klima zu schützen.

Mit der künstlichen Verknappung der Zertifikatsmenge will die EU erreichen, dass die Preise für Zertifikate wieder steigen und sich Klimaschutz lohnt. Obwohl EU-Parlament und Ministerrat noch zustimmen müssen, ist die Entscheidung des Umweltausschusses wegweisend. Lobbygruppen wie etwa die Aluminium- und Stahlindustrie hatten im Vorfeld die Verknappung der Zertifikate scharf kritisiert. Sie fürchten durch steigende CO2-Preise höhere Produktionskosten.

Diese Entscheidung hat auch Einfluss auf die deutschen Strompreise, weil sich durch höhere CO2-Preise der Börsenstrompreis verteuert. Das schließt die Lücke zwischen festgelegten Vergütungssätzen für Solar- und Windstrom und dem Börsenstrompreis. Je kleiner diese Lücke ist, desto weniger Ökostrom-Umlage wird auf den Strompreis für den Endkunden hinzu berechnet.

Verknappung war erwartet worden

Die Entscheidung des Ausschusses sei allgemein erwartet worden, sagte der CO2-Experte der Unicredit , Heiko Siemann. "Es gilt die alte Börsenweisheit 'buy on rumors, sell on facts', also bei Gerüchten kaufen und bei Fakten verkaufen."

In den vergangenen drei Wochen hatte der Preis für CO2-Zertifikate in Erwartung einer Verknappung der Lizenzen um knapp 50 Prozent zugelegt.

Die Europäische Union hat Händlern zufolge am Dienstag 3,46 Millionen Emissionszertifikate zum Preis von 4,31 Euro je Tonne CO2 verkauft. Die Nachfrage habe das Angebot um das Doppelte übertroffen. Die bereits gehandelten Verschmutzungspapiere notierten nach der Entscheidung des Umweltausschusses 9,6 Prozent tiefer bei 4,63 Euro je Tonne CO2.