Einer der größten Immobilieninvestoren in Stuttgart ist ECE, ein Betreiber von Shoppingcentern aus Hamburg. Zusammen mit dem Baukonzern Strabag und der bayerischen Bau- und Immobiliengruppe (BBIG) investiert ECE in Stuttgart rund 500 Millionen Euro in ein Projekt namens Milaneo. Im Juli 2012 startete ECE den Bau von rund 400 Wohnungen, einem Hotel mit 165 Zimmern und etwa 200 Shops mit 43.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Hinzukamen Büros mit 7.400 Quadratmeter Geschossfläche für Büros sowie einer Tiefgarage mit 1.700 Autostellplätzen. 2014 soll das alles fertig sein. 

Und nun, da der Bahnhof auf der Kippe steht? Ein ECE-Sprecher sagt, der Bau des Milaneo-Projekts habe "konkret gar nichts mit den Plänen zum Bahnhofsumbau zu tun". Ob Stuttgart 21 wie geplant realisiert werde, sei "somit unerheblich für den Bau und auch den späteren Betrieb des Quartiers".

Das sieht allerdings sogar die Bahn anders. Sie fürchtet einen geschäftsschädigenden Effekt, wenn es bei einem überirdischen Bahnhof bleiben sollte. "Investoren haben ihre Investition auch sicher getätigt, um urban beheimatet zu sein und nicht, um am Ende in direkter Nachbarschaft des Gleishauptvorfeldes zu liegen", sagt ein Sprecher. Die Gleise und der alte Bahnhof würden die Harmonie der auf dem Reißbrett längst fertigen neuen Viertel stören. 

Sozialwohnungen und Kindergärten statt Tiefbahnhof?

Auch die Stadt Stuttgart will vom Tiefbahnhof Stuttgart 21 profitieren. Wenn alles erst einmal unter der Erde liegt, will sie zum Großverkäufer bester innerstädtischer Grundstücke werden. Die Stadt hat der Bahn bereits im Jahr 2001 die Gleisflächen und weitere Grundstücke beim Rosensteinpark für 460 Millionen Euro abgekauft. Bis 2020 allerdings darf der Konzern das bereits veräußerte, rund 109 Hektar große Gelände zinsfrei nutzen. 

Sollte der Bahnhof bleiben, wo er ist, wäre die Not groß. Die Stadt müsste das Grundstückgeschäft mit der Bahn zwangsläufig rückgängig machen. Die Gegner von Stuttgart 21 rechnen bereits vor, dass die Bahn dann, bei einem angenommenen Zinssatz von fünf Prozent seit 2001, im Gegenzug mehr als 700 Millionen Euro an die Stadt Stuttgart zahlen müsste. Dann könnten endlich Schulen saniert und soziale Wohnungsbauprojekte in Angriff genommen werden, sagen sie. 

Welche Investoren und Bauunternehmen wirklich Vorvereinbarungen besitzen und wie viele Verkaufs- und Vertragsabsprachen bestehen, gehört zu den Geheimnissen, für die sich viele Projektgegner interessieren. Die Stadtverwaltung verrät nichts. Zu möglichen Vorverträgen könne er leider gar nichts sagen, sagt ein Rathaussprecher. Dafür sei es im Moment einfach "viel zu früh".