Der designierte Chef des Hauptstadtflughafens BER , Hartmut Mehdorn , hat bei seiner Vorstellung bereits Position bezogen: Ein strengeres Nachtflugverbot lehnte der 70-Jährige ab. "Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung", sagte Mehdorn in Berlin-Schönefeld. Er wolle "sehen, ob es nicht andere Kompromisslinien gibt". In anderen Hauptstädten gebe es auch keine Restriktion der Flugzeiten. Berlin müsse sich an diese internationalen Standards gewöhnen. Ein strengeres Nachtflugverbot sei schlecht für Flughafen und Standort, sagte der frühere Chef der Deutschen Bahn und Air Berlins .

Mehdorn geht damit noch vor seinem Amtsantritt am Montag auf Konfrontationskurs mit Matthias Platzeck : Der Aufsichtsratschef setzt sich als Brandenburgs Ministerpräsident für mehr Nachtruhe am Flughafen ein. Er will das bisher geplante Flugverbot von Mitternacht bis 5 Uhr auf 22 bis 6 Uhr ausdehnen.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit stellt sich auf Diskussionen mit Mehdorn ein: "In der Tat hat er Ecken und Kanten, und die werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen, nehme ich an", sagte Wowereit. Es werde Spannungen geben, aber die seien dann immer produktiv. Der Berliner Regierungschef hatte mit Mehdorn schon in der Vergangenheit gelegentlich Differenzen.

Mehdorn habe die volle Unterstützung der drei Flughafen-Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg, sagte Wowereit. In den vergangenen Wochen hatte es zwischen den Gesellschaftern Querelen gegeben.

Mehdorn selbst sagte, er wolle sich bemühen, das Vertrauen in den Flughafen wieder herzustellen. Er werde alles tun, um die Fertigstellung des BER zu beschleunigen und wünsche sich für diese "schwierige" Aufgabe auch "Vorschusslorbeeren". Er werde sich zunächst "ein Stück einarbeiten müssen" und zu gegebener Zeit "Maßnahmen vermelden".

Mehdorn legt Mandat bei Air Berlin nieder

Der 70-Jährige erhält einen Drei-Jahres-Vertrag. Gleichzeitig will er sich bei Air Berlin zurückziehen : "Ich werde mein Mandat bei der Air Berlin niederlegen, damit es da keinen Konflikt gibt", sagte Mehdorn. Air Berlin ist der wichtigste Kunde des Flughafens und hat wegen der verzögerten Eröffnung auf Schadenersatz geklagt .

BER-Chef Rainer Schwarz war im Januar entlassen worden, nachdem die Eröffnung des Großflughafens mehrfach verschoben worden war. Zuletzt hatten die Planer den Termin im Oktober 2013 absagen müssen, weil noch zu viele technische Mängel an der Baustelle zu beseitigen sind. Der als Chefberater vorgesehene ehemalige Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender , hatte vor einigen Tagen abgesagt .