Der dritte März 2013 war ein historischer Tag für die Schweiz. Ein Land, das so stolz auf seine liberale Wirtschaftsordnung ist, stimmte mit einer überwältigenden Zweidrittelmehrheit für die Volksinitiative "gegen die Abzockerei" von Thomas Minder. Bonuszahlungen, Goldene Fallschirme oder Empfangsprämien: fortan alles verboten. Manche sagen, die Schweiz habe sich damit das härteste Aktienrecht der Welt gegeben.

Doch die Abzocker-Initiative war erst der Anfang. Bis Ende 2015 kommt eine Hand voll weiterer Volksbegehren zur Abstimmung, deren politische Sprengkraft ungleich größer ist. Würden sie alle angenommen, müsste die Schweiz die bilateralen Verträge mit der EU auflösen, die Einwanderung auf ein Minimum reduzieren sowie einen gesetzlichen Mindestlohn einführen.

Das Erfolgsmodell Schweiz steht zur Debatte. Tiefe Arbeitslosenquoten, hoher Wohlstand und soziale Stabilität – das wollen alle. Die Frage ist, zu welchem Preis.

600.000 Franken Jahresgehalt

Als erstes wird über die Managerlöhne entschieden. Sie sollen gedeckelt werden. Das fordert die sogenannte 1:12-Initiative der Jungsozialisten, über die im September entschieden werden soll. Geht es nach den Jusos, darf der Chef eines Unternehmens künftig nur noch zwölfmal mehr verdienen als sein am schlechtesten bezahlter Angestellter. Das wären in einer durchschnittlichen Großfirma noch 600.000 Franken. Also immerhin 150.000 Franken mehr als ein Schweizer Regierungsmitglied heute verdient, aber viel weniger als heute mancher CEO am Ende des Jahres auf dem Konto hat.

Rückt die Schweiz also bald nach links?

Ja, befürchten konservative Politiker. Sie sehen in der Juso-Initiative einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für die Schweiz. Firmen würden ins Ausland abwandern, und in den Führungsetagen fehlten die hellsten Köpfe, weil sie dem Geld in die Nachbarländer folgten, warnen sie. Um das zu verhindern und die wirtschaftsliberale Schweiz zu verteidigen, stampften die Mitte-Rechts-Politiker in einer Nacht-und-Nebelaktion eine neue Kampagne aus dem Boden. SuccèSuisse heißt die Bewegung: "Jetzt geht es wieder um Klassenkampf pur: Die Linke gegen die Bürgerlichen", sagte FDP-Nationalrat Ruedi Noser, als er in der Neuen Zürcher Zeitung sein Komitee vorstellte. "Die Sozialdemokraten haben dem Erfolgsmodell Schweiz den Krieg erklärt."

Die wirtschaftsnahen Kreise fühlen sich bedroht. Nach dem Volks-Ja zur Abzocker-Initiative scheint ihnen alles möglich.