Janet und Richard Bolt sitzen in einer italienischen Trattoria an der Ledra-Straße. Auch sie warten darauf, dass die Banken wieder öffnen, auch sie fürchten um ihr Geld. Vor zehn Tagen hat der 66-jährige Brite 140.000 Pfund aus England auf sein neu eröffnetes Bankkonto nach Zypern überwiesen – "der größte Fehler meines Lebens", wie der Rentner jetzt sagt. Mit dem Geld will das Ehepaar eine Ferienwohnung bei Limassol kaufen, die Verträge liegen bereits fertig beim Notar. Jetzt müssen die Bolts fürchten, dass ihnen rund zehn Prozent des überwiesenen Geldes abgenommen werden. "Das ist Raub", sagt der Brite verbittert. Wie ihm geht es vielen tausend Pensionären aus dem Vereinigten Königreich, die auf der Insel ihren Lebensabend verbringen, dort Bankkonten unterhalten – und nun zur Kasse gebeten werden. Dass sie für den verhassten Euro zahlen müssen, macht die Sache nicht erträglicher. 

Unterdessen arbeitet die Politik in Zypern daran, das schwer Mögliche möglich zu machen. Ein Kompromiss über eine Abgabe muss her, dem eine Mehrheit zustimmen kann. Im Zweifel muss gar ein Plan B her. Wie der aussehen könnte, ist allerdings schwer zu sagen. Bisher sind nur die Vorgaben aus Brüssel bekannt: Rund 5,8 Milliarden Euro sollen die Bankkunden zur Rettung der Geldinstitute beisteuern – das sind etwas mehr als acht Prozent aller Spareinlagen. Wer nun welchen Anteil tragen soll, das ist das große Problem: Die große Masse der kleinen Sparer oder die zahlreichen Vermögenden im Land, darunter auch russische Oligarchen, die dem Finanzplatz zuletzt zu einer erstaunlichen Blüte verhalfen.

Die Entscheidung darüber liege allein bei den Zyprern, heißt es bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und der Europäischen Kommission in Brüssel. Dort und beim deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble suchen viele in Zypern den Schuldigen für die drohenden Verluste. Glaubt man den Schilderungen von Diplomaten, war es der deutsche Finanzminister, der maßgeblich auf einen hohen Beitrag der zyprischen Sparer gedrängt hat. Allerdings sieht sich mittlerweile auch Zyperns Präsident Nikos Anastasiades mit dem Vorwurf konfrontiert, er wolle die eigene Bevölkerung zur Ader lassen, um die reiche russische Klientel möglichst zu verschonen.

Nun ist im Gespräch, dass Sparer unterhalb von 20.000 Euro von der Zwangsabgabe verschont bleiben sollen. Das würde nennenswert höhere Beiträge der Besitzer großer Vermögen bedeuten. Hilfesuchend hatte sich Anastasiades am Montag telefonisch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeldet: Wegen der geplanten Zwangsabgabe drohe das Rettungspaket im Parlament zu scheitern. Doch die Kanzlerin ließ ihn abblitzen: Über seine Probleme müsse er mit der Troika verhandeln, beschied Merkel dem Zyprer.