Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Zypern hat sich für einen Ausstieg seines Landes aus dem Euro ausgesprochen. Erzbischof Chrysostomos II. sagte der griechischen Zeitung Realnews , dass seiner Einschätzung nach die Gemeinschaftswährung nicht lange überleben werde. "Ich sage nicht, dass der Euro morgen zusammenbricht. Aber mit diesen Genies in Brüssel ist sicher, dass er nicht lange halten wird."

Der Erzbischof wiederholte das Angebot der Kirche, dem Staat durch ihr Vermögen in der Euro-Krise zu helfen. Die Kirche, größter Grundbesitzer Zyperns und einer der wichtigsten Akteure in der Wirtschaft, hatte angeboten, unter anderem Hypothekenkredite auf ihre Güter aufzunehmen. "Der zyprische Präsident ( Nikos Anastasiades ) hat den Vorschlag angenommen, (...) aber es müssen noch rechtliche Probleme gelöst werden", sagte Chrysostomos.

Der Regierung in Nikosia läuft die Zeit weg, ab Dienstag droht der Staatsbankrott. Die Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds ist bereit, einen Hilfskredit über zehn Milliarden Euro zu geben, im Gegenzug fordert sie aber, dass Zypern 5,8 Milliarden Euro selbst aufbringt.

Kein Termin für Parlamentsabstimmung

Noch immer steht kein Termin für die Abstimmung des Parlaments über die umstrittene Zwangsabgabe auf Sparkonten fest, mit der Zypern einen Teil des Geldes aufbringen will. Zunächst führte die Regierung in Nikosia weiter Gespräche mit der Troika .

Dadurch geriet der gesamte Zeitplan in Verzug – vor der Parlamentssitzung wollte Staatschef Anastasiades noch mit den Parteichefs auf der Mittelmeerinsel zusammenkommen. Außerdem will der Präsident, abhängig vom Erfolg der Gespräche mit der Troika, kurzfristig nach Brüssel reisen, um mit den EU-Spitzen zu beraten.

Eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben hatte das zyprische Parlament in dieser Woche zunächst abgelehnt. Am Freitagabend beschlossen die Abgeordneten dann einen Nationalen Solidaritätsfonds . Dieser soll, neben dem Geld von der Kirche, aus der Rentenkasse gefüllt werden und zudem Anleihen ausgeben.

Ein weiterer Teil des Geldes soll nun durch eine abgewandelte Form der Zwangsabgabe erbracht werden. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Abgabe auf Geldeinlagen des größten zyprischen Geldinstituts, der Cyprus Bank. Dort sollen russische Oligarchen Milliarden geparkt haben. Nikosia schlägt eine Zwangsabgabe von 25 Prozent auf Spareinlagen über 100.000 Euro vor.

Parteiübergreifende Ablehnung in Deutschland

In Deutschland stieß der Rettungsplan aus Zypern parteiübergreifend auf Ablehnung . Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte einen umfassenden Eigenbeitrag Zyperns unter Beteiligung der dortigen Anleger. "Wenn Zypern die Kleinanleger verschont, darf es auch nicht die Pensionen seiner Bürger verpfänden. Wir werden das nicht akzeptieren", sagte er der Berliner B.Z. am Sonntag .

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin lehnte die jüngsten Vorschläge aus Zypern ab. Diesen Plänen könnten die Grünen im Bundestag nicht zustimmen, sagte Trittin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . "Wenn die Regierung in Zypern den Telekom-Angestellten des Landes an die Rente gehen will, um das Vermögen russischer Oligarchen zu retten, dann können wir das nur ablehnen."

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sprach sich dafür aus, dass auf Zypern "große Vermögen über hunderttausend Euro einmalig belastet werden können, die vorher jahrelang von Steuerdumping und hohen Zinsen profitiert haben". Kleinere Sparguthaben müssten aber tabu sein, sagte Steinmeier den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe . "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen – das darf nicht die Lösung sein."