Die Regierung in Nikosia steckt in einer Zwickmühle: Sie will durchsetzen, dass Bankguthaben bis 20.000 nun doch nicht mit einer Zwangsabgabe belastet werden, um das Land vor einem Bankrott zu bewahren. Das dürfte die Demonstranten und die Abgeordneten im Parlament beruhigen. Die Euro-Gruppe allerdings wird nicht begeistert sein, denn ohne die Sondersteuer kommt nicht genügend Geld für die Rettung des Landes zusammen.

Zyperns Zentralbankchef Panicos Demetriades warnte deshalb die Politiker seines Landes, dass die Euro-Staaten die geänderten Pläne ablehnen würden. Die neue Bankenabgabe werde nicht "die geschätzten 5,8 Milliarden Euro bringen, denen die Euro-Gruppe zugestimmt hat", sagte er im Haushaltsausschuss des Parlaments. "Wenn wir auf 5,5 Milliarden Euro kommen, wird das als Bruch der Vereinbarung gesehen und vielleicht nicht akzeptiert werden", fügte er hinzu.

Das am Wochenende beschlossene Rettungspaket für Zypern hatte zunächst eine Zwangsabgabe für alle Bankkunden vorgesehen. Sie gilt als Voraussetzung für das eigentliche Hilfspaket in Höhe von zehn Milliarden Euro, das Zypern am Wochenende mit EU , EZB und IWF vereinbart hatte. Ursprünglich hatte das Land um 17,5 Milliarden Euro gebeten, die Geldgeber begrenzten die Summe am Ende auf zehn Milliarden Euro. Die Differenz soll durch die Bankenabgabe beglichen werden.

Verhandlungen mit Russland

Die geplante Zwangsabgabe aber löste in Zypern und auch international erhebliche Kritik aus. Daraufhin besserte die Regierung von Präsident Nikos Anastasiades nach und nahm Kleinstsparer von der Sondersteuer aus. Anastasiades rechnet dennoch nicht damit, dass das Parlament die Abgabe tatsächlich bewilligen wird. "Weil sie empfinden, dass es ungerecht ist", sagte er im schwedischen Fernsehen. Auf die Frage, was er im Falle der Ablehnung zu tun gedenke, sagte er: "Wir haben unsere eigenen Pläne."

An dieser Stelle könnte die russische Regierung ins Spiel kommen, die Zypern bereits einen Milliardenkredit gewährt hatte und den das Land gern um fünf Jahre bis 2021 verlängern will. Finanzminister Michalis Sarris reist deshalb am Mittwoch nach Moskau , um darüber mit der Führung im Kreml zu beraten. Auch dabei dürfte die Zwangsabgabe zur Verhandlungsmasse werden. Russlands Präsident Putin hatte diese als "ungerecht, unprofessionell und gefährlich" bezeichnet.

Das russische Staatsoberhaupt dürfte dabei vor allem an heimische Investoren und Unternehmen denken, die Guthaben in Milliardenhöhe im zyprischen Bankensektor angelegt haben. Sobald die Banken wieder geöffnet haben, so die Befürchtung, dürften diese ihre Konten leerräumen. Zentralbankchef Demetriades geht davon aus, dass die Anleger in den ersten Tagen nach einer Verabschiedung einer Abgabe mindestens zehn Prozent der Einlagen abheben würden.