Die Betreiber des Hauptstadtflughafens BER müssen die Anwohner noch besser vor Fluglärm schützen . Das hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden. 

Die Richter blieben bei ihrer strengen Lesart des Planfeststellungsbeschlusses: Den Betreibern war schon im vergangenen Jahr vorgeworfen worden, die Regeln systematisch verfehlt und Anwohnern nur unzureichende Schallschutzfenster bewilligt zu haben.

Der Planfeststellungsbeschluss sei in der Frage des Schallschutzes eindeutig, sagte der Vorsitzende Richter Roger Fieting. Fluglärm dürfe die normale Gesprächslautstärke von 55 Dezibel in den 14.000 betroffenen Wohnungen tagsüber nicht überschreiten.

Weitere 286 Millionen Euro

Das Schallschutzprogramm des Flughafens ist damit zu klein bemessen. Die Flughafenbetreiber wollten den Maximalpegel tagsüber regelmäßig überschreiten: Das Programm war ursprünglich auf sechs mögliche Überschreitungen pro Tag angelegt und umfasste 139 Millionen Euro. Im vergangenen Sommer wurden weniger als 0,5 Überschreitungen angesetzt und das Programm um 305 Millionen Euro aufgestockt. Nun sind nach Angaben des Aufsichtsrats möglicherweise weitere 286 Millionen Euro fällig, für die es keine Vorsorge gibt. Das Oberverwaltungsgericht ließ keine Revision zu.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn kritisierte das Urteil. Das Schutzniveau sei schon jetzt sehr hoch, teilte er mit. Die Forderung des Gerichts sei in weiten Teilen lärmphysikalisch nicht umsetzbar. "Es hat zur Folge, dass für viele Anwohner gar keine Schutzmaßnahmen realisiert werden können, sondern sie mit Entschädigungen vorlieb nehmen müssen", sagte Mehdorn .

Dieses Verfahren greift, wenn die Kosten für den Schallschutzanspruch 30 Prozent des Verkehrswertes eines Hauses übersteigen. Der Flughafen erwartet, dass dies auf die Mehrzahl der Häuser zutrifft. Ihren Besitzern überweist der Flughafen eine Entschädigung, über die diese frei verfügen können.

Forderung nach Nachtflugverbot

Der Bürgermeister der am stärksten vom Flughafen betroffenen Gemeinde, Ortwin Baier aus Blankenfelde-Mahlow, sprach von einem guten Tag für die Region. "Was mich ärgert ist, dass wir das vor Gericht erstreiten mussten." Nun müsse das neue Schutzniveau schnell umgesetzt werden. Unterstützung sehe er auch bei seiner Forderung nach einem strikten Flugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr.

Bis zum vergangenen Herbst hatten sich die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen im Laufe der Bauzeit auf 4,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Dass sie weiter steigen, wird erwartet, seit auch der für 2013 geplante Eröffnungstermin wegen der Probleme auf der Baustelle platzte.