Schulden, Investitionen, Reichtum und Armut: In der Bibel, im berühmtesten Buch der Welt, geht es ständig um wirtschaftliche Fragen. Der Ökonom Tomas Sedlacek rechnet es in seinem Buch Die Ökonomie von Gut und Böse vor: 17 der 30 Gleichnisse im Neuen Testament beschäftigten sich mit ökonomischen Problemen. Ihre Botschaft prägt die Welt bis heute. Warum hat das Ökonomen bisher kaum interessiert?

Glauben und Wirtschaft – die Forschung zu diesem Themenfeld war bisher marginal, und nicht nur in der Ökonomie ein exotischer Forschungszweig.  Auch die Psychologie vernachlässigte lange die Frage, wie Religion unser Denken über Wirtschaft verändert. Das könnte ein Fehler sein. Neue Studien zeigen, wie stark der Einfluss von religiösen Ansichten auf das Wirtschaftsleben ist. Manche dieser Arbeiten liefern sogar neue Antworten auf alte ökonomische Rätsel.

Der Psychologe Jochen Gebauer der Humboldt Universität in Berlin ging nun einem dieser Rätsel auf den Grund: Warum macht Reichtum viele Menschen einfach nicht glücklich? Easterlin-Paradox nennt sich dieses Phänomen, zurück geht es auf den amerikanischen Ökonomen Richard Easterlin. Der machte in den siebziger Jahren eine interessante Beobachtung: Zwar war der Wohlstand in den Industrieländern jahrzehntelang gestiegen. Viele Menschen gaben aber in Befragungen an, mit ihrem Leben nicht zufriedener zu sein.

Inzwischen gab es viele Versuche, das Easterlin-Paradox zu lösen. Einige Ökonomen konnten zeigen, dass Reichtum nur dann glücklich macht, wenn man mehr hat als der Nachbar. Andere Studien fanden im Gegensatz zu Easterlin einen Zusammenhang zwischen Glück und Geld. Immer aber ist der Effekt schwächer als von den Ökonomen vermutet.

Schämen sich gläubige Millionäre?

Gebauers These lautet nun: Manchmal hindert ihr Glauben die Menschen daran, sich an ihrem Geld zu erfreuen. "In vielen Religionen wird Reichtum regelrecht stigmatisiert", sagt Gebauer. Jesus selbst soll gesagt haben, eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in den Himmel komme. Ein gläubiger Millionär könnte sich für seinen Reichtum also schämen, vermutet Gebauer.

Um diese These zu testen, wertete der Psychologe mit seinem Team den Datensatz einer internationalen Dating-Seite aus. Rund 190.000 Menschen aus elf Ländern sind darin erfasst. Die Singles mussten bei der Anmeldung detailliert über Hobbies, Beruf und Persönlichkeit Auskunft geben. Auch ihre religiösen Ansichten wurden abgefragt. Zudem mussten die Teilnehmer angeben, wie viel sie verdienen und wie zufrieden sie mir ihrem Leben sind. Bevor die Forscher auf die Daten zugreifen konnten, wurden die Namen der Singles entfernt.

Für Wissenschaftler wie Gebauer haben solche Daten einen entscheidenden Vorteil. "Menschen antworten auf einer Online-Datingseite ehrlicher als bei herkömmlichen Umfragen", sagt er. "Denn sie wollen ja einen Partner finden, der möglichst gut zu ihnen passt und zahlen für die Vermittlung Geld." Wer bei den Antworten schummelt, wird mit unpassenden Partnervorschlägen und schlechten Dates bestraft. Das schafft einen Anreiz, die Wahrheit zu sagen.