Auch der Kampfhubschrauber Tiger ist ein Kind des Kalten Krieges. Er wurde einst für die Bekämpfung von sowjetischen Panzern geplant. Heute verwenden die Gegner der Bundeswehr aber Pick-Ups und Motorräder. 2010 erhielt die Bundeswehr die ersten zwei Maschinen. Zwei Jahre dauerte es, bis sie teuer umgerüstet und einsatzfähig waren.

Der Transporthubschrauber NH90 verrät schon im Namen, wann er geplant wurde. Für den Afghanistan-Einsatz stand er der Bundeswehr zunächst elf Jahre lang nicht zur Verfügung. Erst im April 2013 wurden die ersten vier Hubschrauber an den Hindukusch verlegt. Fast fünf Milliarden Euro soll die Anschaffung insgesamt gekostet haben. Dennoch stellte ein interner Bericht vor zwei Jahren fest: Der Boden des Hubschraubers sei zu druckempfindlich, die Heckrampe zu schwach, um voll ausgerüstete Soldaten beim Aussteigen zu tragen, zum Transport von schwereren Waffen fehlten Gurte zum Festzurren. Ergebnis: Nachbesserungsbedarf.

Im Ministerium fehlt es nicht an Einsicht und Selbstkritik. "Ich werfe mir selbst vor, dass ich den Transporthubschrauber NH 90 nicht gestoppt habe", sagte der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Auch der Airbus A400M von Airbus, der die uralten Transall-Flugzeuge ersetzen soll, sei ein Problem. "Als EADS wirklich in deutlichem Lieferverzug war, hätte ich das Projekt A400M eiskalt beendet", sagte der Ende 2012 verstorbene SPD-Politiker.

Trotzdem läuft das Projekt weiter. Auf einen Ausstieg verzichtete die Bundesregierung ebenso wie auf eine mögliche Strafzahlung. Der Airbus A400M lässt weiter auf sich warten. Erst gab es Triebwerksprobleme, dann gelang es den Airbus-Konstrukteuren nicht, die geforderte Nutzlast zu erreichen.

Vor zwei Jahren war die verfehlte Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums bereits ein großes Thema. Die damals eingesetzte Strukturkommission der Bundeswehr hatte gefordert, die Prozesse komplett umzubauen, zu vereinfachen und zu professionalisieren. Denn nicht nur im Fall Euro-Hawk wurden Hunderte Millionen Euro ausgegeben, ohne ein einsetzbares System zu bekommen.

Auch das Milliarden-Projekt Medium Extended Air Defense System – besser bekannt als MEADS – wird nicht eingeführt. Deutschland, die USA und Italien hatten das Raketenabwehrsystem 2005 in Auftrag gegeben. Vor zwei Jahren kündigten die USA ihren Ausstieg an: zu teuer. Die Entwicklung soll allein die Bundesrepublik mehr als 1,25 Milliarden Euro gekostet haben.

Auch die Bundeswehr hat bereits ihre Rückzieher verkündet. Die Forschungsergebnisse könnten aber für ein neues Luftverteidigungssystem der nächsten Generation verwendet werden. Das aber muss erst entwickelt werden. Vielleicht ein weiteres, kostspieliges Abenteuer.