Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang hat sich dafür ausgesprochen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland auszubauen. Besonders in der Fertigungsindustrie ergänzten sich beide Wirtschaften ideal, sagte Li am dritten Tag seines Deutschlandbesuches. Beide Länder könnten Hand in Hand auch Märkte in anderen Staaten erschließen. "'Made in China ' ist noch im Entstehen, 'Made in Germany' ist dagegen bereits ausgereift. Wenn wir beides ideal und optimal kombinieren, dann entsteht daraus ein Traumpaar." 

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) angekündigt, China im EU-Streit um Strafzölle zu unterstützen, obwohl die chinesische Konkurrenz in der Solarindustrie mit Dumping-Preisen den europäischen Unternehmen zu schaffen macht. Deutschland wolle nicht in eine "Art von Auseinandersetzung verfallen, die zum Schluss nur in gegenseitigen Zollerhebungen endet", sagte Merkel. Differenzen in Handelsfragen müssten durch Gespräche und Verhandlungen gelöst werden. Der Gast aus Peking äußerte sich erfreut über die Ankündigung der Kanzlerin: "Ich würdige sehr ihre Haltung", sagte Li. 

Li sagte Deutschland eine privilegierte Partnerschaft in Bereichen wie Dienstleistungen und Gesundheitswesen zu. Beide Länder sollten verstärkt auch in der Logistik, der Bildung und Ausbildung sowie der medizinischen Betreuung zusammenarbeiten. "China ist gewillt, diesen Raum bevorzugt Deutschland zu eröffnen", sagte er. Deutschland ist das einzige EU-Land auf Lis Reiseroute . Zuvor war er in Indien, Pakistan und der Schweiz.

Der chinesische Ministerpräsident kündigte zudem eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Firmen an und versprach, sich für den Schutz des geistigen Eigentums einzusetzen. Dies hatte Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) angemahnt. Es handele sich dabei um eine strategische Entscheidung der chinesischen Führung, betonte Li. Ohne den Schutz gebe es Nachteile für ausländische Investitionen. "Das dämpft auch die Innovation und Motivation chinesischer Unternehmen."   

Zahlreiche neue Kooperationen

Am Rande der Gespräche im Kanzleramt schlossen beide Seiten zahlreiche Kooperationen . Unter anderem vereinbarte der Autobauer VW mit dem chinesischen Partner SAIC den Aufbau einer Fabrik in Changsha, der Chemiekonzern BASF will sich in Xinjiang an zwei neuen Joint Ventures beteiligen. Das Berliner Entsorgungsunternehmen ALBA schloss mit einem chinesischen Partner ein Abkommen über das Recycling von Altfahrzeugen. Zudem wollen die Wirtschaftsministerien beider Länder bei der Unterstützung von Investoren künftig besser zusammenarbeiten.

Das Eintreten Merkels für eine Verhandlungslösung im Streit um Anti-Dumping-Zölle traf auf die Zustimmung der deutschen Unternehmen. Nötig sei eine Lösung des Konflikts "auf dem Verhandlungsweg", sagte Peter Löscher , Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Die guten Beziehungen zwischen Deutschland und China dürften "keinen Schaden erleiden", sagte Löscher, der dem Siemens-Konzern vorsteht. 

Die chinesische Konkurrenz in der Solarindustrie macht europäischen Unternehmen seit geraumer Zeit zu schaffen. Auch in Deutschland sind Firmen pleite gegangen. Inzwischen hat die EU-Kommission ein Anti-Dumping-Verfahren eingeleitet, an dessen Ende Strafzölle mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 47 Prozent erhoben werden könnten. Im Gegenzug hatte China kürzlich eine Anti-Dumping-Untersuchung zu Importen von Stahlrohren aus Europa eröffnet.

Merkel thematisiert Ai Weiwei

Bei einem weiteren Dauerthema der deutsch-chinesischen Beziehungen, den Menschenrechten in der Volksrepublik, hat Merkel auch den Fall des chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei angesprochen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte. Er sagte, die Bundesregierung sei zufrieden, dass auch die chinesische Seite den Menschenrechtsdialog intensiv fortführen wolle. Dies seien die richtigen Formate, um auf allmähliche und dauerhafte Fortschritte hinzuarbeiten.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, setzt auf Verbesserungen der Menschenrechtslage unter dem neuen Ministerpräsidenten. Er habe die Hoffnung, dass es ein paar Schritte nach vorne geben werde, sagte er im ZDF. "Die Bürger fordern mehr Rechte ein. Und ich hoffe, dass die neue Führung den Bürgern auch mehr Rechte einräumen wird jetzt", sagte Löning.