Höchstpersönlich soll der milliardenschwere Investor Daniel Loeb nach Tokio gekommen sein, um die Sony-Chefs unter Druck zu setzen. In einem offenen Brief forderte er sie zu einer Änderung ihrer Geschäftsstrategie auf. Loeb ist der Eigentümer des Hedgefonds Third Point und bekannt dafür, sich mit offenen Briefen ins Geschäft der Unternehmen einzumischen, an denen er Anteile hält. Von Sony gehören ihm etwas mehr als sechs Prozent.

Der Investor verlangt, dass Sony Teile seiner Unterhaltungssparte verkauft. Bis zu 20 Prozent davon sollten an die Börse gebracht werden, sagt er. Der Druck durch die Anleger könne zu mehr Effizienz führen, argumentiert Loeb in seinem Brief. "Das Mutterunternehmen würde nicht nur wichtige Liquidität erhalten, die es in Sony Electronics investieren kann, während es die Kontrolle über die ausgegliederten Betriebe behielte. Es könnte auch einen gehörigen Teil seiner Schuldenlast reduzieren", heißt es weiter in dem Schreiben.

Der Vorstoß von Third Point schlägt große Wellen in Japan. Analysten schätzen den Plan als vorteilhaft für Sony ein. Seit neun Jahren macht die Elektroniksparte des Konzerns Verluste, weil immer mehr Kunden zu Apple und Samsung wechseln. Innovationen gab es zuletzt kaum noch. Der Verkauf der Unterhaltungssparte könnte dem darbenden Geschäftszweig rund zwei Milliarden US-Dollar frisches Kapital bringen.

Gescheiterte Einflussnahme

Doch selbst wenn Daniel Loebs Vorschlag sinnvoll ist: Dass er damit durchkommt, ist noch lange nicht gesagt. Bisher haben ausländische Investoren, die Effizienz und kommerziellen Erfolg der Unternehmen erhöhen wollen, in Japan keinen leichten Stand. Aus der Vergangenheit gibt es zahlreiche Beispiele gescheiterter Einflussnahme.

Im Jahr 1989 etwa wollte der US-amerikanische Investor Thomas Boone Pickens groß beim Mechanikunternehmen und Zulieferer Koito einsteigen. Aber die durch Autohersteller Toyota angeführten Aktionäre wehrten ihn ab. 2008 versuchte der britische Children's Investment Fund Ähnliches beim Stromanbieter J-Power – und Japans Regierung legte ein Veto ein. Ein Jahr zuvor wollte der Hedgefonds Steel Partners den Saucenhersteller Bulldog zu übernehmen. Ebenfalls ohne Erfolg.

Stattdessen schützen sich die großen japanischen Unternehmen gegenseitig vor der Pleite. Sobald ein Großbetrieb in Schwierigkeiten steckt, investiert nicht selten ein anderer inländischer Konzern. So wie kürzlich beim Elektronikunternehmen Pioneer, in das der Handynetzbetreiber Docomo sowie Mitsubishi Electric einstiegen, nachdem Pioneer rote Zahlen gemeldet hatte. So entsteht eine Verflechtung japanischer Konglomerate, die ein Scheitern auch bei geschäftlichem Misserfolg vermeidet. Innovationen fördert so etwas nicht.