Deutsche und internationale Unternehmen verpflichten sich durch ein Abkommen zu mehr Sicherheit in der Modeproduktion in Bangladesch . Unterzeichnet haben den Vertrag bisher unter anderen die Ketten H&M, C&A, Zara, Benetton, Primark, Kik , Abercrombie & Fitch, Mango, Carrefour   sowie Aldi Nord und Süd. Der weltgrößte Einzelhandelskonzern Walmart aus den USA weigert sich, bei der Kampagne mitzumachen.

Angeregt wurde die Initiative, nachdem in Bangladesch durch den Einsturz eines Fabrikgebäudes mehr als 1.100 Menschen gestorben waren. "Es dürfen nicht noch weitere Menschen unter den Trümmern von Textilfabriken begraben werden", sagte Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung , eine der Initiatoren der Aktion. Die Zeit sei überfällig, dass nun alle Unternehmen, die in Bangladesch ihre Ware beziehen, dem verbindlichen Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz beiträten.

Der Vertrag gilt zunächst für fünf Jahre. Die Unternehmen verpflichten sich, dass unabhängige Fachleute für Gebäudesicherheit die Arbeitsbedingungen in den Fabriken nach internationalen Standards regelmäßig überprüfen. Die Unterzeichner setzen einen Lenkungsausschuss ein, der das Budget des Programms verwalten und verantwortliche Posten besetzen soll. Unterstützung leisten soll unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Gewerkschaft bewertet Abkommen positiv

Ein Trainingsprogramm soll Sicherheitspersonal, Arbeiter und Manager für den Ernstfall schulen und mehr Bewusstsein für die erforderlichen Schutzmaßnahmen vermitteln. Jeder Beschäftigte soll künftig die Arbeit niederlegen können, wenn er gravierende Sicherheitsmängel oder Gesundheitsrisiken entdecke. Diskriminierung oder Einkommensverluste sollen dabei nicht zu befürchten sein.

Jedes unterzeichnende Unternehmen hat zugesagt, sich an der Finanzierung des Programms zu beteiligen. Die Summe hängt von der jeweiligen Produktionsmenge in Bangladesch ab.

Bis Mitternacht in der Nacht zu Donnerstag konnten sich Unternehmen der Vereinbarung anschließen. Laut dem Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union ist das Abkommen eine verbindliche Vereinbarung zwischen den westlichen Großabnehmern, internationalen Gewerkschaften und den Produzenten in Bangladesch.

Die Gewerkschaft ver.di bewertet das Abkommen positiv: "Ganz entscheidend ist, dass die Betroffenen durch das Abkommen klare und verbindliche Rechte eingeräumt bekommen", sagte Johann Rösch, Textilexperte von ver.di. Alle Unternehmen würden nun von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO eingeladen. "Binnen 45 Tagen müssen die Strukturen zur Umsetzung stehen. Eine herausfordernde Aufgabe", sagte Rösch.

Der Gewerkschafter erwartet, dass das Abkommen auch wirksam seien werde. Die Veränderungen würden nicht von jetzt auf gleich kommen. "Sobald aber die Strukturen des Abkommens gelegt sind, gibt es für die rund 3,5 Millionen Näherinnen wirksame Rechte, die genutzt werden müssen", sagte er.

Die Bundesregierung stellt für die Opfer des Fabrikeinsturzes in Savar 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld aus dem Topf des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sei vor allem für die berufliche Wiedereingliederung der Überlebenden vorgesehen, die durch die Katastrophe bleibende Schäden erlitten hätten, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin, Gudrun Kopp (FDP).