Es war kein Zufall, dass EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vergangene Woche ausgerechnet nach Wien reiste. Österreich praktiziert schon lange das, was die EU-Kommission gerne in der ganzen EU sehen würde, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen: Die Regierung vergibt sogenannte Jugendgarantien.

Sechs Monate lang dürfen junge Menschen maximal arbeitslos sein, danach finanziert der Staat ihnen eine Aus- oder Weiterbildung oder ein Praktikum. Ein teurer Plan, aber ein erfolgreicher. Die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen beträgt in Österreich lediglich 8,5 Prozent. Nur in Deutschland sind in der EU weniger Jugendliche ohne Arbeit.

Geht es nach Barroso, dann sollten die Staatschefs bereits am kommenden Freitag auf dem EU-Gipfel einen Aktionsplan nach österreichischem Vorbild beschließen. Die Jugendarbeitslosigkeit steht während des Treffens ganz oben auf der Agenda. 23,5 Prozent aller arbeitssuchenden Jugendlichen in Europa waren im Februar ohne Arbeit – so viele wie seit Jahrzehnten nicht. Eine ganze Generation wächst ohne Perspektive auf. Ein Umstand, der nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch gefährlich werden kann.

Über das Problem herrscht Einigkeit, doch in den Details wird es kompliziert. In den Krisenstaaten im Süden sind die öffentlichen Kassen leer. Entsprechend gering ist die Lust auf teure Arbeitsplatzgarantien für junge Menschen – zumindest solange die Finanzierung nicht steht. Die Kommission fordert zudem, dass die Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit bis Oktober konkrete Ideen vorlegen, wie sie Geld aus Brüssel investieren wollen. Staaten wie Spanien und Portugal, die über kein etabliertes Ausbildungssystem wie die Deutschen verfügen, stellt das vor Probleme.

Geld ist auf dem Papier reichlich vorhanden. Sechs Milliarden Euro wollen die EU-Regierungschefs ausgeben, um Arbeitsplätze zu finanzieren, das haben sie bereits beschlossen. Die Fördermittel sollen vor allem in jene Staaten fließen, in denen besonders viele Menschen unter 25 Jahren arbeitslos sind.

Das Problem ist nur: Kurzfristig steht das Geld nicht zur Verfügung. Die Summe muss aus dem kommenden EU-Haushalt finanziert werden, der ab 2014 gelten soll und rund eine Billion Euro umfasst – und über den streiten sich EU-Parlament, -Kommission und -Rat schon seit Monaten. "Es ist allerhöchste Dringlichkeit geboten", hieß es in Brüssel am Dienstag.

Barroso würde es am liebsten sehen, wenn die sechs Milliarden Euro gleich in den Jahren 2014 und 2015 ausgegeben werden und nicht auf den gesamten Haushaltszeitraum bis 2020 verteilt werden. Doch dass sich die EU-Gremien in den kommenden Wochen auf die sogenannte mittelfristige Finanzplanung einigen werden, gilt als unwahrscheinlich.