Der Staatssender finanziert sich ohnehin zum Großteil nicht aus Steuergeldern, sondern über eine Rundfunkgebühr von netto 40 Euro pro Haushalt. Diese deckt die Einnahmen so gut, dass der Sender allein im ersten Quartal des Jahres einen Überschuss in Höhe von rund 40 Millionen Euro erwirtschaftete. Eine weitere Ironie: Im Gegensatz zu ERT sind alle sechs landesweit ausstrahlenden privaten Fernsehsender chronisch defizitär. Ihre Werbeeinnahmen brachen in der Krise in sich zusammen. Allein der größte Sender "Mega Channel" erlitt im ersten Quartal 2013 Verluste von rund acht Millionen Euro. Insgesamt lasten auf ihm 193,8 Millionen Euro Schulden. Wenn es einen Sanierungsfall im griechischen Mediensystem gibt, dann sind es die Privatsender.

Der Athener Medienprofessor Stelios Papathanasopoulos, der die Sender seit Jahren beobachtet, sagt: "ERT war eine Institution, die Geschichte des Fernsehens und Rundfunks in diesem Land. Das wirft man nicht einfach weg." Die Zahl der Mitarbeiter habe sich zuletzt "im Grenzbereich bewegt, um dem Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunksenders überhaupt noch gerecht zu werden".

Der von der Regierung geplante Nachfolger NERIT soll mit etwa einem Drittel der Belegschaft auskommen. Papathanasopoulos hält das für unmöglich. "Die Frage ist nur, was für ein Programm und vor allem in welcher Breite will man produzieren. Wer soll künftig Tennis, Buchsendungen oder klassische Musik senden? Wer bedient die sieben Millionen Auslandsgriechen in aller Welt?" Für den Medien-Professor ist die Sache klar: Die privaten Fernseh- und Rundfunksender, die allesamt in der Hand einheimischer Oligarchen sind, sind es nicht. "Die können es nicht, und die wollen es schon gar nicht."

Auch die Reporterin Chrysa Roumeliotis könnte darüber nachdenken, den Sender zu verlassen. Aber es fällt ihr schwer, sich vorzustellen, für die privaten Sender zu arbeiten.  "Nur wenn ich ohne Vorgaben, ohne Interventionen arbeiten könnte. Das ist meine rote Linie." Am Ende sei das ohnehin nur Theorie. "Die Privatsender entlassen doch nur. Fast die Hälfte der Journalisten haben schon keinen Job mehr." Das Ende von ERT empfindet sie als "ungerechte Bestrafung". Aber sie weiß auch, dass die Mehrheit der Griechen nun hinter ihr steht.

In einer früheren Version dieses Textes war von Quartalseinnahmen von 40 Milliarden Euro die Rede. Gemeint waren Millionen. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler. Die Redaktion