Chinas Wachstum ist im vergangenen Quartal von 7,7 auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Damit entsprach es gerade noch dem Jahresziel der Regierung, bedeutet jedoch die schwächste Entwicklung in den vergangenen 22 Jahren.

Dieser Einbruch hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet. So waren die Exporte im Juni überraschend eingebrochen . Auf 3,1 Prozent bezifferte die Zollverwaltung den Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zudem kämpft die Regierung derzeit gegen die Auswirkungen eines Kredit-Booms , die den chinesischen Markt zusätzlich belasten.

"Wir haben es mit einer komplexen Lage zu tun", sagte Statistikamt-Sprecher Sheng Laiyuan. Vorrangiges Ziel sei es nun, "Restrukturierung zu fördern" und mehr aus der "treibenden Kraft" des Marktes zu machen.

Diese will die neue Regierung unter Ministerpräsident Li Keqiang mit einer Reihe von Reformen fördern, mit denen sie die exportorientierte Wirtschaft des Landes langfristig umbauen und die Abhängigkeit vom Weltmarkt reduzieren will. So sollen die Faktoren Handel und Investition geschwächt und die Binnennachfrage nachhaltig gefördert werden. Dafür ist die Staatsführung bereit, kurzfristig auf Wachstum zu verzichten. Ihre größte Sorge ist, dass die Arbeitslosigkeit ansteigen und es zu Unruhen kommen könnte.

Ermunternde Zahlen gibt es dazu vom chinesischen Einzelhandel. Dessen Umsätze sind im Juni im Jahresvergleich um 13,3 Prozent gestiegen. Allerdings werten viele Experten dies zunächst als einen Hinweis auf steigende Verbraucherpreise. Gleichzeitig könnte es jedoch auch bedeuten, dass der Konsum bereits anzieht und die Konjunktur im zweiten Halbjahr stärker stützt.

An den asiatischen Aktienmärkten hatten Händler bereits mit dem schwächeren Wachstum gerechnet. Viele Investoren hatten sich allerdings sogar darauf eingerichtet, dass die Zahlen noch schwächer ausfallen könnten. Sie reagierten deshalb erleichtert auf die chinesischen Konjunkturdaten: Der CSI 300, der die Aktien der 300 größten Aktien vom chinesischen Festland mit einer Börsennotierung in Shanghai oder Shenzhen enthält, kletterte zunächst um 2,57 Prozent.

Analysten schätzen den Wirtschaftsausblick für China in diesem Jahr jedoch pessimistischer ein. Die Landesbank Baden-Württemberg reduzierte jüngst ihre Prognose von 7,7 Prozent auf 7,0 Prozent. Volkswirte der UniCredit schrieben: "Das schwache beziehungsweise schwächere Wachstum könnte sich im zweiten Halbjahr fortsetzen."