Die einstige US-Industriemetropole Detroit im Bundesstaat Michigan ist offiziell pleite. Die bei Gericht eingereichte Bankrotterklärung sei "der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit", sagte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, in einem Begleitschreiben zu den Unterlagen. Die Stadt ist die bisher größte in der US-Geschichte, die Bankrott anmeldet.

Snyder hatte im März den Sonderfinanzverwalter Kevyn Orr eingesetzt, um der desolaten Finanzlage in Detroit Herr zu werden. Er habe gehofft, die Stadt würde keinen Bankrott anmelden müssen, sagte der Gouverneur. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: "Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent."

Dennoch zeigte sich Snyder optimistisch: "Detroit kann auf den rechten Weg zurückkehren, die Stadt kann ihre Finanzen in Ordnung bringen", schrieb er in einer Erklärung . "Es ist die Möglichkeit für einen frischen Start."

Der Bürgermeister von Detroit, Dave Bing, sprach von einem "schwierigen Tag". "Ich wollte nicht in diese Richtung gehen, aber jetzt stehen wir dort und müssen das Beste daraus machen", zitierte ihn die BBC .

Auf die zahlreichen Gläubiger der Stadt dürften nun riesige Verluste zukommen – sie werden am Ende nur einen Bruchteil ihrer Forderungen von der Stadt zurückerhalten. Zähe Verhandlungen mit dem Sonderverwalter sowie langjährige Gerichtsverfahren werden erwartet.

Die finanzielle Situation der Stadt ist dramatisch: Die Ausgaben für den Betrieb der städtischen Dienste haben seit 2008 die Einnahmen jährlich um rund 100 Millionen Dollar überstiegen. Zudem zehren Zinszahlungen für langfristige Verbindlichkeiten fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse. Sonderfinanzverwalter Kevyn Orr sagte, er hoffe, Detroit komme durch die Maßnahmen wieder auf die Beine und könne im Sommer oder Herbst 2014 aus der Insolvenz herauskommen. Er ist ein auf Insolvenzen spezialisierter und sehr erfahrener Anwalt.

Keine Hilfe vom Weißen Haus

Auf Hilfe von der US-Regierung kann die Stadt dabei aber nicht hoffen: Die Schwierigkeiten müssten vor Ort gelöst werden, sagte eine Sprecherin von US-Präsident Barack Obama . Das Weiße Haus beobachte aber die Lage sehr genau und halte an der "engen Partnerschaft mit Detroit" fest.

Detroit, einst Zentrum der US-Autoindustrie, hat Schulden von 18,5 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro). Im Juni wurden die Zahlungen an die Gläubiger eingestellt. Snyders Angaben zufolge kann die Stadt die Steuern aus rechtlichen Gründen nicht weiter erhöhen. Ohnehin könnten die Bürger nicht noch höhere Abgaben verkraften, sagte Snyder.

Detroit war in den 1950er-Jahren mit 1,8 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt der USA – heute leben dort nur noch rund 685.000 Menschen. Die Autoindustrie verlagerte ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit stieg ebenso stark an wie die Kriminalität. Zugleich wurden öffentliche Ausgaben, etwa für Polizei und Feuerwehr, immer weiter gekürzt. Heute stehen in Detroit 78.000 Gebäude leer , 40 Prozent der Straßenlaternen funktionieren nicht.