Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Griechenland für seine Fortschritte in der Krisenbewältigung gelobt. Die Regierung in Athen habe "große Schritte bei der Konsolidierung der Wirtschaft" gemacht, sagte Schäuble während seines ersten Besuchs in Athen seit Ausbruch der Krise vor sechs Jahren. "Ich bin sehr beeindruckt von dem, was Griechenland geleistet hat", sagte Schäuble. Die Menschen gingen durch schwierige Zeiten, aber die Reformen kämen voran.

Griechenland und die internationalen Geldgeber setzen darauf, dass es mit der Wirtschaft des Landes im nächsten Jahr wieder aufwärts geht. Der Prognose von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds zufolge soll es 2014 erstmals nach sechs Jahren Rezession wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent geben.

Erste Anzeichen für einen Verbesserung der Wirtschaftslage zeichnen sich im Bereich Tourismus ab, der etwa zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Landes ausmacht. In diesem Jahr werden laut Buchungsstatistik 17 Millionen Urlauber nach Griechenland reisen, so viele wie nie zuvor. Um diesen Schlüsselsektor der Wirtschaft des Landes zu stützen, hatte Ministerpräsident Antonis Samaras am Mittwoch die erste Steuersenkung seit Beginn der Krise 2009 bekanntgegeben: Die Umsatzsteuer für Restaurants und Catering-Betriebe sinkt von 23 auf 13 Prozent.

Staaten könnten kein Wachstum schaffen

Der deutsche Finanzminister sagte, Staaten könnten kein Wachstum schaffen, aber Unternehmen helfen, Wachstum zu kreieren. Schäuble kündigte deshalb an, dass Deutschland sich an der Gründung eines Investitionsfonds in Griechenland beteiligen werde. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sollen 100 Millionen Euro bereitgestellt werden. Der Wachstumsfonds soll insgesamt 500 Millionen Euro Kapital haben und günstige Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben.

Schäuble warnte aber davor, schon das Ende der Euro-Krise auszurufen. Es müsse an dem Reformkurs festgehalten werden. In der Nacht zum Donnerstag hatte die Regierung ein weiteres große Sparpaket im Parlament nur mit knapper Mehrheit durchbringen können. Nach zweitägiger, teils heftiger Debatte genehmigten die Abgeordneten ein Gesetzespaket, das der Regierung die Entlassung von 15.000 Staatsbediensteten ermöglicht. Der Abbau der Verwaltung gehört zu den Voraussetzungen für weitere Milliarden-Hilfskredite der internationalen Geldgeber.

Gegen das neue Sparprogramm hatte es bis zuletzt heftige Proteste gegeben. Schäuble zeigte Verständnis dafür, dass viele Menschen gegen die Auflagen der Geldgeber demonstrieren. "Ich kann gut verstehen, dass viele Griechen so empfinden", sagte er. Viele Menschen dächten über die Geldgeber, "die sind schuld, dass wir diese Sparmaßnahmen machen müssen". Dies sei aber nicht so, sagte der Finanzminister. "Wir helfen den Griechen ja, auch Europa insgesamt."

Für Schäubles ersten Besuch waren 4.000 Polizisten im Einsatz, Demonstranten wurden während der Kurzvisite aus dem Zentrum Athens verbannt, einige U-Bahnhöfe in der Innenstadt geschlossen. Die Bundesregierung wird in Griechenland als Hauptverantwortliche für die Sparauflagen gesehen.