Für den Bund haben hormonell wirksame Stoffe grundsätzlich nichts in Kosmetika zu suchen, erst recht nicht in Produkten für Kinder. "Zwar ist die Verwendung dieser Stoffe legal, aber sie werden mit gesundheitlichen Problemen wie reduzierter Spermienqualität, verfrühter Pubertät und Brustkrebs in Verbindung gebracht", sagt Bund-Chemikalienexpertin Sarah Häuser. "Wir fordern die Hersteller auf, in Kosmetika auf ihren Einsatz zu verzichten." Für zwei Substanzen, Propyl- und Butylparaben, fordert sie kurzfristig ein Komplettverbot in Kinderprodukten. Dänemark hat dieses bereits 2011 erlassen. 

Ein Vertreter des  Verbraucherschutzministeriums wollte sich zu der Studie am Dienstag nicht äußern und verwies auf Brüssel: Dort wird im Jahr 2015 die EU-Kosmetikverordnung überarbeitet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält die aktuellen Grenzwerte für ausreichend. Wie gefährlich Parabene tatsächlich sind, darüber streiten sich Wissenschaftler seit Jahren.

Milliardengeschäft Schönheitspflege

Für die Hersteller von Kosmetika sind die Ergebnisse der Verbraucherschützer brisant. Denn mit dem Geschmiere und Geöle, mit Cremes, Puder und Mascara lassen sich Milliarden verdienen. Nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel setzte die Branche im Bereich Schönheitspflege im vergangenen Jahr mehr als 12,8 Milliarden Euro jährlich um. Allein für das Geschäft mit Haar, also mit Shampoos, Conditioner, Haarfarben und Stylingprodukten, erwirtschaftet sie einen Umsatz von knapp drei Milliarden Euro. Sparen mögen die Deutschen bei der Körperpflege nicht: Allein das Segment Badezusätze wuchs um 4,5 Prozent im Vergleich zu 2011.   

Und der ökonomische Erfolg von Marken wie Nivea beruht zu einem großen Teil darauf, dass Kunden den Produkten blind vertrauen. Beiersdorf ist nach eigenen Angaben weltweiter Marktführer im Bereich Hautpflege und wirbt offensiv mit der hohen Qualität seiner Produkte. Allein im vergangenen Jahr setzte Beiersdorf mit seinen rund 16.600 Mitarbeitern rund 450 Millionen Euro um.

Die Hersteller weisen die Vorwürfe der Verbraucherschützer auch vehement zurück. "Parabene sind besonders wirkungsvolle Konservierungsstoffe, die gleichzeitig sehr gut verträglich sind", schreibt Beiersdorf in einer Stellungnahme auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Die Befürchtungen, sie würden sich im menschlichen Körper ablagern, das Hormonsystem stören, Krebs verursachen und die Fähigkeit zur Fortpflanzung einschränken, "haben sich jedoch als unbegründet erwiesen".