Der Name klingt nach frommer, karitativer Arbeit. "Institut für religiöse Werke", kurz IOR, nennt sich das Geldhaus, das seit mehr als 70 Jahren seine Geschäfte unter dem Dach des Vatikans betreibt. Seit Langem steht die päpstliche Bank unter dem Verdacht, dunkle Geschäfte zu betreiben: illegale Parteienfinanzierung, Geldwäsche, Korruption. Die Bank gilt als eines der mächtigsten und undurchsichtigsten Geldhäuser der Welt. Von jenen Bankern, denen Einblick in die Geschäfte des Instituts gewährt wurde, kamen mehrere auf ungeklärte Weise zu Tode – unter ihnen der Bankangestellte Roberto Calvi im Jahr 1982 und der Jurist Michele Sindona vier Jahre später.

Nun will Papst Franziskus entschlossener gegen die Machenschaften innerhalb der "Bank Gottes" vorgehen. Eine Kommission soll fortan den Umbau des Instituts planen. Und nicht nur das: Nachdem der oberste Buchhalter der vatikanischen Immobilienverwaltung, Nunzio Scarano, wegen Geldwäsche- und Korruptionsverdacht verhaftet wurde, entband Franziskus nicht nur ihn von seinen Aufgaben. Kurz darauf traten auch der Chef der IOR Paolo Cipriani und sein Stellvertreter zurück. An die Stelle von Cipriani soll nun vorübergehend der neue Aufsichtsrat und Ritter des Malteserordens Ernst von Freyberg rücken. Bis Oktober schließlich soll das Unternehmen eine andere Struktur und eine neuen Chef bekommen.


Die italienische Presse spricht von einem Erdbeben im Vatikan. Der Fall Scarano kommt indes nicht ganz unerwartet. Die Ermittlungen, die zur Festnahme von Scarano und zwei seiner Komplizen führten, hat eine längere Geschichte. Scarano war Vermögensverwalter bei APSA, einem Immobilienverwalter, der eng mit der IOR kooperiert. Durch die Kooperation soll er die Möglichkeit gehabt haben, mehrere Konten der vatikanischen Bank zu benutzen, um Geldtransaktionen in Millionenhöhe zu verheimlichen. Auf diese Weise soll er auch versucht haben, 20 Millionen Euro von der Schweiz nach Rom zu schmuggeln. 

Bereits im Jahr 2010 begann die Staatsanwaltschaft in Rom, den Geldverkehr zwischen einem Dutzend italienischer Institute und dem Vatikan zu untersuchen. Der Verdacht lautete auf Geldwäsche. Einige Monate später wurde ein Betrag in Höhe von 23 Millionen Euro beschlagnahmt, die das IOR auf einem Konto einer italienischen Bank angelegt hatte. Generaldirektor Cipriani und der damalige Aufsichtsratspräsident Ettore Gotti Tedeschi wurden anschließend beschuldigt, gegen die europäischen Richtlinien gegen Geldwäsche verstoßen zu haben.

Papst Benedikt stieß auf Widerstand

Der damalige Papst Benedikt kündigte daraufhin an, das IOR werde ihre Bücher der Bankenaufsicht der Europäischen Union offenlegen. Das Ziel: Das Institut solle wieder in die White List aller Finanzinstitute gelangen, die die internationalen Transparenz-Standards einhalten. Doch Benedikt stieß auf Widerstand der Kurie. Der sogenannte Vatileaks-Skandal im Januar 2012 offenbarte eine tiefe Spaltung im Vatikan: Während der Papst und der damalige Aufsichtsratspräsident des IOR Gotti Tedeschi mehr Transparenz forderten, versuchte der Staatssekretär Tarcisio Bertone die Transparenzkampagne zu sabotieren.

Der Streit um das IOR führte bereits wenige Monate später zur Entlassung von Gotti Tedeschi. Bis Februar 2013 blieb die Spitze des Aufsichtsrates schließlich unbesetzt. Erst als Benedikt zurücktrat, fand sich ein neuer Chef: der deutsche Ernst von Freyberg, der nun die Bank vorübergehend leiten soll. Für den Vatikanexperten der italienischen Tageszeitung La Repubblica, Marco Ansaldo, war die Ernennung schon damals ein klares Zeichen dafür, dass es in der Kurie den Willen gibt, das IOR in seiner jetzigen Form zu erhalten. "Die Ernennung wurde zwar von Joseph Ratzinger unterschrieben", sagt Ansaldo, "doch sie wurde eindeutig von Staatssekretär Tarcisio Bertone befürwortet."