Auch andere nationale und internationale Tourismusverbände teilen die Sorge. Auf Anfrage will sich der DRV aber nicht weiter äußern und entfernte Büchys Brief von seiner Website. Offensichtlich will man es sich mit der Führung in Madrid nicht verderben.

Minister Soria, der selbst aus Gran Canaria stammt, argumentiert, dass die Kanaren nicht allein vom Tourismus leben könnten. Die Arbeitslosenquote ist mit 34 Prozent die dritthöchste in Spanien. Insgesamt 5.000 Arbeitsplätze verspricht Repsol durch die Erschließung der Ölfelder. Auf die Frage, wo und wie die entstehen sollen, schweigt Soria ebenso wie Repsol. Der Konzern versichert aber, sämtliche Risiken im Griff zu haben.

"Die Tiefe der Bohrungen hat nichts mit deren Sicherheit zu tun", sagt Repsol-Sprecher Marcos Fraga García auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Selbst dann nicht, wenn die Probebohrungen mehr als doppelt so tief dringen müssten wie die im Regierungsdekret genannten "ungefähr 3.500 Meter". Zwei der sechs möglichen Bohrungen werden laut Repsol 6.800 Meter beziehungsweise 6.400 Meter tief reichen. Die Meerestiefe beträgt an diesem Stellen zwischen 800 und 1.000 Metern. Vor Brasilien habe Repsol 6.000 Meter tief gebohrt, im Golf von Mexiko sogar 9.000 Meter. "Die Garantien sind dieselben."

Dem Konzern käme die neue Quelle gelegen, würden sie doch das mit dem Iran-Embargo entfallene Volumen ausgleichen. Im November steht das Urteil des obersten Gerichtshofs an. Schon einmal, 2004, machte er Repsol einen Strich durch die Rechnung. Er kippte die 2001 von der konservativen Regierung und José María Aznar ausgesprochene Genehmigung. Die anschließend regierenden Sozialisten rührten das Thema nicht mehr an. Erst der Regierungswechsel 2011 machte einen erneuten Vorstoß möglich.  

Repsol will Gewissheit

Madrid macht Druck, weil auch Marokko ein Auge auf den möglichen Schatz geworfen hat. Die Grenzen in den Gewässern vor den Kanarischen Inseln ist umstritten.

Repsol will nach zwei Probebohrungen Gewissheit über die Ölvorkommen haben. Immerhin kostet jede einzelne den Konzern nach eigenen Angaben 150 Millionen Euro. 2020 könnte die Förderung beginnen. "Weil wir ein spanisches Unternehmen sind, wollen wir etwas für Spanien tun", sagt Repsol-Sprecher Fraga García. Allein für die Exploration vor den Kanaren werde die Firma jährlich 700 Millionen Euro Steuern bezahlen. Das wäre fast die Hälfte der Summe, die der Konzern im Geschäftsjahr 2012 an den spanischen Staat abführte.

Sein derzeitiges Handelsbilanzdefizit könnte Spanien um 28 Milliarden Euro verringern, verspricht Fraga García. Salvador García, Direktor der Raffinerie des Konkurrenzunternehmens Cepsa auf Teneriffa, nimmt den Inselbewohnern aber schon einmal die Hoffnung, sie könnten künftig von billigeren Spritpreisen profitieren. Die würden nun einmal an den internationalen Märkten gemacht. Und von der Regierung, die Steuern aufschlägt.