Verantwortlich dafür ist vor allem Deutschland, Europas größter Stromerzeuger. Allerdings entsteht der deutsche Strom entgegen der Botschaft in Sonntagsreden nicht mit klimafreundlicher Technik. Zwar übertrifft die installierte Leistung der deutschen Solaranlagen inzwischen die der Kohlekraftwerke. Doch im Netz landet noch immer zehnmal so viel Kohle- wie Solarstrom. Denn viel zu oft scheint die Sonne eben nicht. Der Kohleanteil nimmt seit 2011 sogar wieder zu – und sorgte 2012 für einen Exportboom. 1,4 Milliarden Euro haben Deutschlands Kraftwerksbetreiber damit verdient.

Wenn sie jetzt aufjaulen, ist der Grund nicht Not, sondern Taktik. Zwar haben die Energieriesen die absehbaren Folgen der Energiewende viel zu lange verschlafen und in einige Kraftwerke investiert, die im künftigen Energiemix kaum noch gebraucht werden. Doch angesichts ihrer aufgehäuften Milliardenreserven könnten sie das leicht verschmerzen. Wenn die vier größten Betreiber jetzt mit Stilllegungen drohen, dann geht es ihnen nicht um den Abbau von Überkapazitäten, sondern um Kompensationszahlungen.

Einfach Stilllegen geht nicht

Kraftwerke darf man nämlich gar nicht einfach abschalten. Die Stilllegung muss zunächst bei der Bundesnetzagentur beantragt werden. Und die stimmt nur zu, wenn das Kraftwerk für die Versorgungssicherheit nicht gebraucht wird. Ansonsten muss es einsatzbereit gehalten werden. Die Kosten dafür trägt dann nicht mehr der Eigentümer des Kraftwerks, sondern der Netzbetreiber – und reicht sie an die Endverbraucher weiter.

E.on hat der Branche gezeigt, wie das geht. Sein hochmodernes Gaskraftwerk Irsching 5 hat der Energiekonzern am Ende doch nicht stillgelegt, sondern dem Netzbetreiber Tennet als Sicherheitsreserve zur Verfügung gestellt – und 100 Millionen Euro im Jahr dafür verlangt. Auch beim Hickhack um die Energiewende scheint die alte Regel noch in Kraft zu sein: Am Ende scheißt der Teufel immer auf den dicksten Haufen.